Es gibt ja Leute, die glauben, nur weil irgendwann mal ein Minister drei Seiten Papier in die Tasche steckt, wird daraus ein Gesetz. So läuft's natürlich überhaupt nicht. Dieses Gesetz hat eine interessante Genese vorzuweisen. Es begann nämlich mit der ersten Reform, schon als Scholz Finanzminister war. Da hieß es schon: Bei Riester müssen wir was machen, wir müssen Riester vereinfachen. Das war Anfang 2021, bevor er Bundeskanzler wurde. Irgendwann 2021 war das, und da war die Riester-Reform schon fertig. Dann wurde Scholz Kanzlerkandidat der SPD und hatte vor, einen Rentenwahlkampf zu führen. Und in diesem Rentenwahlkampf, der natürlich auf die gesetzliche Rente abzielt, da sind wir wieder bei Haltelinien und so weiter, hat eine Förderung der privaten Altersvorsorge nicht mehr so richtig reingepasst. Es hätte diese Botschaft verwässert, und dann ist der Entwurf in der Schublade geblieben. Dann gab's die andere Regierung, da konnten sich die Koalitionäre nicht auf die Rentenreform einigen. Mit Rentenreform meine ich jetzt das große Ganze: gesetzliche, betriebliche und private Altersversorgung, alle drei Säulen. Insbesondere die Kluft zwischen den Grünen auf der linken und der FDP auf der rechten Seite war viel zu groß. Die einen wollten eine staatliche Lösung, Bürgerfonds für alle, alles im Kollektiv, und die anderen wollten eine individuelle, freiwillige Lösung mit staatlicher Förderung. Und wie es so ist: Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis. Das stand dann auch so im Koalitionsvertrag. Anfang 2023 ist dann die sogenannte Fokusgruppe eingesetzt worden. Das war eine Vorläuferin der Alterssicherungskommission, die vor ein paar Monaten ihren Bericht vorgestellt hat. Das gab's schon zur Zeit der Ampel, und der Auftrag war, einen Vorschlag für die private Altersvorsorge zu erarbeiten. Ich war in der Fokusgruppe, und 18 andere Sachverständige auch. Diese Fokusgruppe hat dann einen Entwurf präsentiert, aus dem das Finanzministerium ein Gesetz gemacht hat. Das muss ja durch das parlamentarische Verfahren, es werden alle möglichen Interessengruppen gehört, und das Ergebnis war ein Entwurf, der dem jetzigen sehr, sehr ähnelt. Und in dem Moment, in dem der fertig war, gab es diesmal keine Kanzlerkandidatur, sondern das Ende der Koalition. Die Ampel ist zerplatzt, und der Entwurf ist leider irgendwo in einer Schublade verschwunden. Dann gab's einen Wahlkampf, dann gab's eine neue Regierung, eine neue Koalition, und von dem alten Gesetz war nichts mehr übrig. Dann gab's wieder, Sie erinnern sich, die gesetzliche Rente mit der Haltelinie von 48 %. Die CSU wollte ihre Mütterrente, Herr Linnemann wollte seine Aktivrente, Herr Merz wollte seine Frühstart-Rente, aber vom Altersvorsorgedepot war weit und breit nichts zu sehen. Damit ist die wichtigste Reform in den Hintergrund getreten, und wir haben fast nicht mehr daran geglaubt, dass sie kommt. Natürlich haben wir immer gesagt, wir müssen da irgendwas machen. Dann haben der Kollege vom GDV, also von der Versicherungswirtschaft, und ich einen Brief an die Regierung geschrieben und gesagt: Leute, ihr seid gerade dabei, das wichtigste und im Grunde schon fertige Projekt zu vergessen. Nur weil es von der Vorgängerregierung ist, heißt es nicht, dass es schlecht ist. Ihr solltet euch das wirklich noch mal anschauen. Wobei: Die Kausalität von solchen Schreiben darf man nicht überbewerten.