Altersvorsorgedepot Wettbewerb wächst durch neue Anbieter
Das Wichtigste in Kürze
- Scalable Capital will das Standarddepot ab 2027 ohne Depotgebühr anbieten, ETF-Kosten maximal 0,15 %.
- Die Telekom soll laut DAS INVESTMENT ein eigenes Altersvorsorgedepot für ihre Belegschaft planen, 0,06 % plus Fondskosten. Eine Bestätigung gibt es bisher nicht.
- Über 40 Jahre gerechnet entscheidet der Kostenunterschied über mehrere zehntausend Euro.
Wer sich bisher fürs Altersvorsorgedepot interessierte, verglich Neobroker mit Banken und Versicherern. Seit August 2026 hat sich das allerdings geändert. Der Altersvorsorgedepot Wettbewerb wird immer breiter, da neue Anbieter außerhalb der Finanzbranche dazukommen. Ein Fintech stellt die Technik für jeden bereit, der mitmachen will. In der Folge fallen die Preise in Richtung Null. Damit ändert sich, wo du ein Altersvorsorgedepot abschließen kannst und worauf du bei einem Vergleich achten solltest.
Die Ausgangslage: ein Markt unter Finanzprofis
Bis vor wenigen Monaten war klar, wer 2027 antritt: Versicherer wie Allianz und Ergo, Fondsgesellschaften, Direktbanken, Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital. Zusätzlich ist ein öffentlich organisiertes Standarddepot als Kostenmaßstab geplant. In unserem Vergleich der Altersvorsorgedepot-Anbieter haben wir viele der aktuell bekannten Informationen zusammengetragen.
Zwei Ankündigungen aus dem August 2026 haben diese Ordnung aber durcheinandergebracht. Die erste kam von Scalable Capital: Konto, Depot, Sparpläne und Handel sollen beim Standarddepot nichts kosten. Bezahlt wird nur die laufende ETF-Gebühr, gedeckelt auf 0,15 % pro Jahr und im ersten Jahr auf null gesetzt. Verbindlich sind diese Zusagen erst mit der Zertifizierung und dem Preisverzeichnis zum Start. Die zweite Ankündigung kam von außerhalb der Finanzbranche.
Neue Anbieter kommen aus anderen Branchen
Neu ist, wer sich jetzt zusätzlich auf dem Markt platziert. Laut dem Fachmagazin DAS INVESTMENT plant die Deutsche Telekom ein eigenes Vorsorgedepot. Anbieter wäre die Tochter Telekom Finance, Arbeitstitel “Magenta Finance”. Das Magazin beruft sich auf eigene Informationen. Das Angebot soll sich zunächst an die eigenen Mitarbeiter richten. Die Kosten sollen sich auf 0,06 % pro Jahr zuzüglich Fondskosten belaufen und über das Kölner Fintech Xaver abgewickelt werden. Dieser Bericht wurde jedoch bislang nicht von der Telekom bestätigt.
Belegt ist allerdings die Infrastruktur dahinter. Oddo BHF Asset Management und die Xaver Group haben im Mai 2026 eine White-Label-Plattform für das Depot vorgestellt. Laut Pressemitteilung richtet sie sich an Banken, Versicherungen, unabhängige Finanzberater und ausdrücklich auch an Non-Financial-Unternehmen. Xaver übernimmt Zertifizierung, Regulatorik und Verwaltung, der Partner steuert Marke und Kundenzugang bei. Erste Partner sollen noch 2026 mit Brückenprodukten starten, die zum 1. Januar 2027 in das regulierte Altersvorsorgedepot überführt werden.
Damit steht die Technik für jeden Konzern bereit, der ein eigenes Vorsorgeprodukt an seine Belegschaft oder seine Kunden bringen will. Konkrete Ankündigungen gibt es dazu bisher nicht. Neue Anbieter können damit jederzeit dazukommen, auch kurz vor dem Start.
Der richtige Altersvorsorgedepot Anbieter für dich
Aktiv abschließen kannst du erst ab Januar 2027. Bei einigen Anbietern kannst du dich jedoch pre-registrieren, um zum Start des Altersvorsorgedepots nicht in der Warteschlange zu landen.
Bis dahin solltest du deine Förderberechtigung klären, eine Kostenpräferenz festlegen und bei bestehendem Riester-Vertrag deine Wechselmöglichkeiten prüfen. Gerne helfen wir dir dabei, zum Altersvorsorgedepot zu wechseln und beraten dich zu Neuverträgen.
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Darum verschärft sich der Wettbewerb
Bisher haben Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften den Markt für geförderte Altersvorsorge unter sich aufgeteilt. Ein Konzern wie die Telekom tritt mit anderen Voraussetzungen an. Er hat Millionen Bestandskunden, eine seit Jahrzehnten bekannte Marke und muss für den Vertrieb keine Provisionen zahlen. Die eigene Belegschaft erreicht er über die Betriebsversammlung oder eine interne Mitteilung, seine Kunden über eine App, die sie ohnehin täglich öffnen.
Hinzu kommt der Preis, über den der Wettbewerb hauptsächlich ausgetragen wird. Das Telekom-Modell soll 0,06 % kosten, bei Scalable liegt die ETF-Gebühr bei höchstens 0,15 %. Für Riester-Rentenversicherungen haben Verbraucherschützer und die Bürgerbewegung Finanzwende dagegen Effektivkosten von im Schnitt über 1,5 % ermittelt. Das Reformgesetz erschwert dieses Kostenniveau zusätzlich, weil das Zillmerungsverbot auf die gesamte Ansparphase ausgedehnt wird. Abschlussprovisionen dürfen durch das Verbot dann nicht mehr vorab aus den ersten Beiträgen entnommen werden, sondern nur noch verteilt über die Laufzeit. Der klassische Provisionsvertrieb bleibt möglich, verliert aber seinen frühen Kostenvorsprung gegenüber günstigen Depots.
Umkämpft wird dabei ein Bestand von rund 14,7 Millionen Riester-Verträgen mit einem geschätzten Kapital von etwa 240 Milliarden Euro (Stand Ende 2025). Weil sich diese Guthaben ab 2027 in das neue Depot überführen lassen, werben Anbieter wie Scalable gezielt und bauen Wechselservices für Riester-Sparer auf.
Was Kosten über 40 Jahre ausmachen
Der Unterschied von nur einem Prozentpunkt klingt erst einmal nach wenig. Über eine lange Ansparphase wird daraus allerdings ein fünfstelliger Betrag.
Rechenbeispiel: Du zahlst 40 Jahre lang 1.800 € Eigenbeitrag ein und erhältst 540 € Grundzulage, zusammen 2.340 € pro Jahr. Bei einer angenommenen Wertentwicklung von 6 % vor Kosten ergibt sich je nach Kostenquote grob folgendes Endkapital:
- 0,15 % Effektivkosten: rund 369.000 €
- 1,0 % Effektivkosten (gesetzlicher Deckel Standarddepot): rund 297.000 €
- 1,7 % Effektivkosten (typischer Riester-Wert): rund 249.000 €
Zwischen dem günstigen Depot und dem Kostendeckel liegen rund 72.000 €, zwischen günstigem Depot und altem Riester-Niveau rund 120.000 €.
Vier Varianten und neue Anbieter sorgen für Verwirrung
Für dich als Sparer entsteht 2027 ein unübersichtlicher Markt. Du kannst zwischen insgesamt vier Produktvarianten wählen:
- das Standarddepot mit Kostendeckel und zwei vorgegebenen Fonds,
- das freie Altersvorsorgedepot mit eigener ETF-Auswahl,
- Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie und
- das geplante öffentlich organisierte Standarddepot.
Dazu kommen dutzende Anbieter, fast wöchentlich neue Ankündigungen und nun Unternehmen ohne jeden Finanzhintergrund.
Die Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern sagt weniger aus, als der Stempel vermuten lässt. Sie bestätigt nur, dass ein Produkt die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Über Preis oder Qualität sagt sie nichts aus. Ein zertifiziertes Depot mit 0,9 % Kosten trägt denselben Stempel wie eines mit 0,15 %. Diesen Unterschied findest du im Produktinformationsblatt in der Zeile „Effektivkosten“.
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Was du jetzt tun solltest
Der Marktstart am 1. Januar 2027 ist kein Stichtag, an dem du etwas verpasst. Die Förderung gilt für das ganze Jahr. Wer im Frühjahr abschließt, bekommt dieselbe Zulage wie jemand am 2. Januar. Lass dich also weder von Wartelisten noch von Trikotaktionen oder Gratisjahren unter Druck setzen. Der Wettbewerb unter den Anbietern arbeitet für dich, solange du dich nicht früh festlegst.
Sinnvoller ist ein Vergleich, sobald die zertifizierten Angebote und Preisverzeichnisse vorliegen. Achte dabei auf die Effektivkosten über die gesamte Laufzeit und die Auswahl an Fonds und ETFs im freien Depot. Prüfe außerdem, welche Auszahlungswege der Anbieter am Ende bietet.










