Altersvorsorgedepot ohne Garantie und was der Verzicht wirklich bedeutet
Auf einen Blick
Das Altersvorsorgedepot gibt es in mehreren Varianten. Bei der Variante ohne Garantie gibt es keine Zusage, dass am Ende mindestens dein eingezahltes Geld da ist. Dafür kann dein eingezahltes Geld komplett in Aktienfonds liegen und stärker wachsen, es kann aber auch zwischenzeitlich fallen. Wer mehr Sicherheit möchte, kann alternativ ein Vorsorgedepot mit 80 % oder 100% Garantie wählen. Die staatliche Förderung ist bei allen Varianten gleich.
Das bedeutet „ohne Garantie“ beim Altersvorsorgedepot
Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot als staatlich geförderter Nachfolger der Riester-Rente. Dann zahlst du regelmäßig in dein Depot ein und erhältst staatliche Zulagen zur Unterstützung deiner Altersvorsorge. Das im Depot enthaltene Geld wird in Fonds angelegt, meist in sogenannten ETFs.
Eine Beitragsgarantie ist in diesem Zusammenhang die Zusage des Anbieters, dass zum Start der Auszahlung (der Rente) mindestens das eingezahlte Geld vorhanden ist. Bei Riester war diese Zusage Pflicht, beim Vorsorgedepot ist sie freiwillig. Die Entscheidung für oder gegen die Garantie fällt bereits bei Vertragsabschluss und hat Auswirkungen auf die Anlagestrategie deines Anbieters.
Zur Auswahl stehen dabei insgesamt drei Produktvarianten: das sogenannte Standarddepot, das Altersvorsorgedepot ohne Garantie und eine Variante mit Garantie, wahlweise 80 % oder 100 %. Ist keine Garantie definiert, kann das im Depot enthaltene Kapital stärker in Aktien angelegt werden. Das kann Vor- aber auch Nachteile haben.
Praktisch gesehen heißt “ohne Garantie”, dass dir zum Start der Auszahlungsphase das gehört, was dein Depot dann wert ist. Steht mehr drin, als du eingezahlt hast, bleibt der ganze Gewinn bei dir. Steht weniger drin, trägst du den Verlust. Niemand haftet für die Wertentwicklung. Dafür muss der Anbieter auch keinen Teil deines Geldes für eine Garantie zurücklegen.
Depot ohne Garantie und Depot mit Garantie im Vergleich
Die Grafik zeigt, was der Verzicht auf die Garantie in der Praxis verändert. Das im Depot liegende Kapital kann vollständig in Aktienfonds investiert werden. Dadurch ist die Entwicklung stärker von den Kursschwankungen betroffen, aber auch chancenreicher.
80 oder 100 %
100 % in Aktienfonds
kleinerer Teil in Aktienfonds
größerer Teil sicher angelegt, wächst langsam
Wert schwankt
Wert schwankt weniger
eingezahlte Beiträge weniger mehr
Es zählt der Wert an diesem Tag
keine Untergrenze
eingezahlte Beiträge Untergrenze
Untergrenze: 80 oder 100 % der Beiträge
nur an diesem Tag, davor und danach nicht
Die staatliche Förderung bleibt für alle Produktvarianten des Vorsorgedepots gleich hoch, ebenso der Steuervorteil über die Steuererklärung. Die Garantiefrage entscheidet allein darüber, wie dein Geld angelegt wird.
Das Standarddepot gehört ebenfalls in die obere Darstellung. Es ist eine vorkonfigurierte Variante des Altersvorsorgedepots ohne Garantie. Der Anbieter gibt hier allerdings die Fonds vor. Zudem verschiebt er das Kapital in den Jahren vor der Auszahlung schrittweise in ruhigere Fonds. Dennoch gibt es hier keine Mindestzusage für den Endwert deines Depots.
Beachte außerdem, dass die Garantie der genannten Varianten nur zum Start der Auszahlung gilt. Zuvor kann der Wert des Depots schwanken. Das ist normal und gleicht sich über die Laufzeit entsprechend aus.
Das bringt der Verzicht auf die Garantie
Eine Garantie ist nie kostenlos. Damit Altersvorsorgedepot-Anbieter einen Mindestbetrag zum Start der Auszahlung garantieren können, müssen sie einen Teil jedes Beitrags sicher anlegen. Das sind meist verzinste Wertpapiere, die nur geringen Schwankungen unterliegen, aber auch im Vergleich weniger bringen. Ein Depot ohne Garantie spart sich diesen Umweg. Was das über 30 Jahre ausmacht, zeigt ein vereinfachtes Beispiel.
Rechenbeispiel: gleiche Sparrate, mit und ohne Garantie
Angenommen, du zahlst 30 Jahre lang 150 € im Monat ein, insgesamt 54.000 €. Der Aktienfonds wächst um 6,0 % pro Jahr, die sichere Anlage um 2,5 %. Bei den Garantievarianten wird von jedem Beitrag genau so viel sicher angelegt, wie nötig ist, um die Garantie am Ende zu erfüllen. Der Rest geht in den Aktienfonds. Kosten und Zulagen bleiben außen vor, damit allein der Effekt der Garantie sichtbar wird.
Ohne Garantie:
rund 146.900€ Guthaben am Ende
Mit 80 % Garantie:
rund 115.400€ (im Schnitt 56 % des Geldes sicher angelegt)
Mit 100 % Garantie:
rund 107.600€ (im Schnitt 71 % sicher angelegt)
Der Verzicht auf die Garantie bringt in diesem Beispiel zwischen rund 31.000 € und 39.000 € mehr Guthaben. Abgesichert wären dafür höchstens die 54.000 €, die du eingezahlt hast. Selbst wenn die Kurse ein Jahr vor dem Ende um 40 % einbrechen, bleiben im Depot ohne Garantie noch rund 84.000 € übrig.
Vereinfachte Modellrechnung. Echte Angebote mit Garantie arbeiten mit anderen Sicherungsmodellen und eigenen Kosten, der Unterschied kann größer oder kleiner ausfallen. Die Rechnung ersetzt keine Beratung.
Die Garantie wirkt wie eine teure Versicherung gegen einen Fall, der in der Modellrechnung auch nach einem Einbruch von 40 % nicht eintritt. Dazu kommt die Inflation. Gesichert wird nur die Summe auf dem Papier. 54.000 € stellen im Jahr 2057 eine kleinere Kaufkraft dar als heute. Davor schützt auch keine Beitragsgarantie. Bei einer Laufzeit sieht die Rechnung allerdings anders aus.
Welches Risiko du wirklich trägst
Ohne Garantie trägst du das Risiko fallender Kurse. In Krisen wie in den Jahren 2008 oder 2020 sind die Kurse weltweit gestreuter Aktienfonds zeitweise um ein Drittel und mehr gefallen. Bis zum alten Stand dauerte es danach teils einige Monate, mitunter jedoch mehrere Jahre. Dein Depot kann also zwischendurch weniger wert sein als du eingezahlt hast.
Entscheidend ist, wann das passiert. Ein Einbruch nach fünf Sparjahren tut weh, hat aber 25 Jahre Zeit, sich auszugleichen. Ein Einbruch im Jahr vor der Auszahlung trifft dein ganzes angespartes Geld und lässt wenig Zeit zur Erholung. Dieses späte Risiko fängt eine Garantie ab.
Ohne Garantie heißt aber nicht, dass alles erlaubt ist. Es gibt eine Liste, in der die zulässigen Fonds und ETFs für Vorsorgedepots gesetzlich vorgeschrieben werden. Riskante Spekulationsprodukte, wie Einzelaktien oder Kryptowährungen, bleiben draußen. Innerhalb dieser Grenzen darfst du dein ganzes Guthaben in Aktienfonds halten, musst es aber nicht.
Das zweite Risiko sitzt bei dir selbst. Wer im Kurssturz die Nerven verliert und in einen sicheren Fonds flüchtet, macht aus einem Minus auf dem Papier einen echten Verlust. Du musst also in schlechten Jahren stillhalten können, um Verluste auszugleichen. Die Variante mit Garantie nimmt dir diese Entscheidung ab.
Crash kurz vor der Rente: Wie du dich ohne Garantie absicherst
Es gibt Mittel, um deine Vorsorge unabhängig von der teuren Garantie vor einem späten Kurssturz zu schützen.
Schrittweise in ruhigere Fonds wechseln
Verschiebe dein Geld schrittweise aus den Aktienfonds in Fonds mit weniger Schwankungen. Hier empfehlen sich zum Beispiel die Anleihefonds aus der gesetzlichen Liste. Steuern fallen dabei nicht an, da die Gewinne im Depot erst bei der Auszahlung besteuert werden. Die Entscheidung, wann und in welchem Maße du wechselst, liegt ganz bei dir. Wer das nicht selbst steuern will, nimmt das Standarddepot. Dort läuft dieser Wechsel automatisch.
Die fünf Jahre Spielraum beim Auszahlungsbeginn
Die Auszahlung muss frühestens mit 65 und spätestens aber vor dem 70. Geburtstag beginnen. Diese fünf Jahre sind ein Puffer. Stehen die Kurse mit 65 gerade tief, musst du dein Geld nicht an einem schlechten Tag in Auszahlungen umwandeln. Sofern es dein Vertrag erlaubt, kannst du den vereinbarten Start der Auszahlung nach hinten schieben. Das Gesetz gibt nur den Rahmen von 65 bis 70 vor. Die Details liegen in den Vertragsbedingungen deines Anbieters.
Die Laufzeit selbst
Das Beispiel von oben zeigt, warum die Zahl der Sparjahre das stärkste Sicherheitsnetz ist. Nach 30 Jahren liegt das Depot selbst nach einem Einbruch von 40 % weit über den Einzahlungen. Bei nur zehn Jahren kippt das Bild. Dann bleiben nach demselben Einbruch rund 14.700 € von 18.000 € eingezahlten Beiträgen übrig. Bei 15 Jahren sind es rund 25.300 € von 27.000 €, also knapp weniger als eingezahlt. Je kürzer die Strecke, desto eher lohnt sich also der Blick auf eine Garantie.
Von unseren Kunden
“Bin eigentlich nicht der Bewertungs Typ aber hier muss ich es sagen. Die Beratung bei finanzklar war echt gut. Sehr unkompliziert und schnell. Ich wusste vorher nicht was ich alles an Förderung nutzen kann. Juri war locker und trotzdem professionell. Gerne Untertsütze ich das Unternhmen mit der Bewertung :)
Anonym
Kunde auf ProvenExpert

Für wen passt das Depot ohne Garantie und für wen nicht?
Die Entscheidung hängt an zwei Fragen. Wie viele Jahre bleiben bis zur Auszahlung, und wie viel Schwankung hältst du aus, ohne einzugreifen?
Liegen 15 Jahre oder mehr vor dir, spricht das Rechenbeispiel klar für das Depot ohne Garantie. Der entgangene Wertzuwachs einer Garantie summiert sich über diesen Zeitraum im Beispiel auf 31.000 € bis 39.000 €. Der Fall, gegen den sie schützt, tritt aber auch nach einem heftigen Kurseinbruch nicht ein.
Wer weniger als zehn Jahre hat, sollte genauer hinsehen. Ein später Einbruch lässt sich dann kaum noch aussitzen und die Garantie kostet weniger Wertzuwachs als über 30 Jahre. Wer den Wechsel in ruhigere Fonds nicht selbst steuern möchte, kann auch das Standarddepot prüfen.
Es gibt jedoch noch einen weiteren Faktor, der die Entscheidung beeinflusst. Das Depot ohne Garantie muss zu dir passen. Wer beim Blick auf ein Minus im Depot schlecht schläft, ist mit der Variante mit Garantie wahrscheinlich besser bedient. Unterschiede in den Zulagen oder dem Steuervorteil gibt es nicht.
Riester-Garantie aufgeben?
Der Garantiezwang war eine wesentliche Bremse der Riester-Rente. Anbieter mussten 100 % der Beiträge und Zulagen zusichern. Dadurch blieb in den Jahren niedriger Zinsen kaum Raum für die Investition in Aktien. Das Altersvorsorgedepot löst diese Bremse.
Wer von einem Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot wechseln möchte, muss sich zwischen den Varianten mit und ohne Garantie entscheiden. Mit dem Depot gibst du die Riester-Garantie auf, die bisherige Förderung bleibt dir erhalten.
Was in der Auszahlphase gilt
Die Garantiefrage endet mit dem Start der Auszahlung. Ab diesem Tag gibt es auch bei der Variante mit Garantie keinen Schutz mehr. Lässt du dir dein Guthaben über viele Jahre in Raten auszahlen, bleibt der noch nicht ausgezahlte Teil angelegt und schwankt weiter. Das gilt für alle Varianten gleich.
Dauerhafte Sicherheit bietet erst eine lebenslange Rente, die dafür aber meist niedriger ausfällt. Für deine Entscheidung heute heißt das, dass eine Garantie nur einen einzigen Tag deines Ruhestands absichert. Die Jahre danach hängen ohnehin davon ab, wie das restliche Geld angelegt ist.










