Die richtigen ETFs für dein Altersvorsorgedepot
Auf einen Blick
Ins Altersvorsorgedepot dürfen Exchange Traded Funds (ETFs), die als in der EU regulierte Publikumsfonds aufgelegt sind und im Basisinformationsblatt höchstens Risikoklasse 5 von 7 haben. In der Regel erfüllen die breit gestreuten Welt-ETFs diese Vorgabe. Dein Vertrag regelt zudem, ob du selbst wählen kannst oder das Standarddepot nutzt. Für den Kern genügen ein bis zwei günstige Welt-ETFs.
Darum spielen ETFs im Altersvorsorgedepot die Hauptrolle
Das Altersvorsorgedepot löst ab 2027 die Riester-Rente bei den Verträgen zur privaten Altersvorsorge ab. Anders als bei Riester muss der Anbieter hier dein eingezahltes Geld nicht mehr garantieren. In der Folge darf das gesamte Kapital vollständig in Aktien liegen. Das macht ETFs zum wichtigsten Baustein im Depot. Ein ETF ist dabei ein Fonds, der einen Aktienindex nachbildet. So werden zum Beispiel die weltweit größten Unternehmen in einem einzigen Wertpapier gebündelt. Er kostet wenig, verteilt dein Geld aber auf viele Firmen gleichzeitig.
Das Vorsorgedepot unterscheidet sich in drei Punkten vom normalen ETF-Sparplan bei einer Bank. Es gibt staatliche Zulagen und Steuervorteile, dein Geld ist aber auch bis zur Rente gebunden. Du darfst zudem nur Produkte besparen, die auf einer gesetzlichen Liste stehen.
Welche ETFs sind im Altersvorsorgedepot erlaubt?
Die gesetzliche Positivliste
Das Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz nennt abschließend, was ins Depot darf (§ 1 Abs. 1b, Satz 1 Nr. 2 AltZertG). Diese Aufzählung wird als sogenannte Positivliste bezeichnet. Was in ihr nicht aufgeführt ist, kann nicht bespart werden.
Für die meisten Sparer
ETFs und Publikumsfonds
Fonds nach EU-Regeln (OGAW/UCITS), höchstens Risikoklasse 5 von 7 im Basisinformationsblatt. Dazu gehören alle gängigen Welt-ETFs.
Für viele Sparer ist dies der einzige Baustein.
Randinformation
Spezialfonds AIF und ELTIF
Fonds, die etwa in Immobilien oder Infrastruktur investieren, ebenfalls bis maximal Risikoklasse 5.
Sie sind oft teurer und schwer vergleichbar. Als Grundlage der Vorsorge sind sie daher ungeeignet.
Sicherer Baustein
Euro-Anleihen von Staaten
Hierunter fallen Anleihen in Euro von Staaten und öffentlichen Stellen, z. B. Bundesanleihen.
Sie sind ein sicherer Baustein für die Jahre vor der Auszahlung und im Depotalltag über ETFs einfacher zu besparen.
Ausgeschlossen sind einzelne Aktien, Kryptowährungen, Zertifikate, Hebelprodukte und alle Fonds in den Risikoklassen 6 und 7.
Prüfen der Risikoklasse im Basisinformationsblatt
Du kannst in wenigen Minuten selbst nachsehen, ob ein bestimmter ETF für dein Vorsorgedepot zulässig ist. Das Basisinformationsblatt ist ein dreiseitiges Pflichtdokument, das es zu jedem Fonds gibt. Es enthält den sogenannten Risikoindikator, mit der Einstufung auf einer Skala von 1 (schwankt kaum) bis 7 (schwankt sehr stark). Diese Einstufung ist die Risikoklasse.
- 1 Geldmarkt
- 2 zulässig
- 3 zulässig
- 4 Welt-ETF
- 5 zulässig
- 6 nicht zulässig
- 7 nicht zulässig
Achte bei der Prüfung auf das Datum des Dokuments. Die Einstufung beruht jeweils auf den Kursschwankungen der letzten Jahre und kann sich mit der Zeit entsprechend verschieben. Ältere Fondsdokumente, z. B. die “Wesentlichen Anlegerinformationen”, zeigen ebenfalls eine Skala von 1 bis 7. Dieser liegt allerdings eine andere Berechnung zugrunde, sodass sie nicht als Einstufung in einer der Risikoklassen verstanden werden dürfen. Für das Vorsorgedepot zählt allein das Basisinformationsblatt. Breit gestreute Welt-ETFs stehen dort in der Regel auf Stufe 4, Geldmarkt-ETFs auf Stufe 1 und ETFs auf kurz laufende Bundesanleihen auf Stufe 1 oder 2.
Was ist ausgeschlossen?
Einzelne Aktien, Kryptowährungen, Zertifikate oder auch Hebelprodukte gehören nicht ins Depot. Zertifikate sind hierbei Schuldscheine einer Bank, deren Wert an einen Kurs gekoppelt ist. Hebelprodukte vervielfachen Gewinne und Verluste. Ausgeschlossen sind außerdem alle Fonds der Risikoklassen 6 und 7, darunter viele Themen-ETFs mit stark schwankenden Kursen. Der Gesetzgeber will verhindern, dass geförderte Vorsorge zur Spekulation wird.
Wer die ETFs auswählt
Nach dem Gesetz trifft zunächst der Anbieter die Anlageentscheidung. Es gibt jedoch Verträge, die ein Wahlrecht vorsehen. In dem Fall suchst du selbst aus den Fonds aus, die der Anbieter im Angebot hat. Daraus ergeben sich zwei Depotarten.
Standarddepot
Das Standarddepot ist die vorgefertigte Variante für alle, die keine eigene Auswahl treffen wollen. Der Anbieter legt zwei Fonds fest, einen sicherheitsorientierten in Risikoklasse 1 oder 2 und einen chancenorientierten in Klasse 3 bis 5. Die Gesamtkosten sind gesetzlich auf höchstens 1,0 % im Jahr begrenzt. Einige Jahre vor der Rente schichtet der Anbieter zudem automatisch in den sicheren Fonds um.
Für die ETF-Frage kommt es beim Standarddepot darauf an, welcher Fonds im chancenorientierten Teil steckt. Ein günstiger Welt-ETF macht das Standarddepot zu einer guten Lösung. Ein teurer Mischfonds, der die erlaubten Kosten voll ausreizt, macht es zu einem Kompromiss. Das Basisinformationsblatt des Fonds zeigt dir beides.
Freies Depot
Im freien Depot wählst du selbst aus dem Fondsangebot deines Anbieters. Hier gibt es keine Kostengrenze. Das schadet dir nicht, solange du günstige ETFs auswählst. Ein Welt-ETF kostet oft nur 0,1 bis 0,2 % im Jahr. Wer stattdessen teure Fonds mit aktivem Management bespart, verschenkt den Vorteil der freien Wahl.
Standarddepot
Freies Depot
Das Fondsangebot des Anbieters
Es gibt keine Vorgaben, wie viele zulässige ETFs Anbieter führen müssen. Während einige hunderte ETFs anbieten werden, haben andere nur eine kurze Liste eigener Produkte. Für deine ETF-Wahl heißt das: Lege zuerst deinen Wunsch-ETF fest und prüfe vor Vertragsabschluss, ob er im Angebot ist.
Darauf kommt es bei der ETF-Auswahl an
Breite Streuung
Streuung bedeutet, das Geld auf möglichst viele Unternehmen, Länder und Branchen zu verteilen. Ein ETF für die Altersvorsorge sollte tausende Firmen abdecken. Dann hängt dein Ruhestand nicht davon ab, ob eine einzelne Region oder Branche in 20 Jahren noch gut dasteht. ETFs auf Weltindizes leisten das. ETFs auf ein einzelnes Thema, Land oder eine Branche tun es nicht.
Kosten (TER) und Tracking-Difference
Jeder ETF weist laufende Kosten aus, abgekürzt TER. Sie stehen im Basisinformationsblatt und werden täglich vom Fondsvermögen abgezogen. Aussagekräftiger ist die Tracking-Difference. Sie zeigt, wie weit der ETF in einem Jahr tatsächlich hinter seinem Index zurückgeblieben ist. Darin stecken die Kosten, aber auch Zusatzerträge und Steuereffekte im Fonds. Zwei ETFs mit gleicher TER können sich hier messbar unterscheiden. Du findest die Tracking-Difference auf ETF-Vergleichsportalen und in vielen Factsheets.
Fondsvolumen
Das Fondsvolumen ist das Geld, das alle Anleger zusammen in den ETF gesteckt haben. Ein großes Volumen senkt das Risiko, dass die Fondsgesellschaft den ETF schließt oder mit einem anderen zusammenlegt. Ein ETF, der seit Jahren am Markt ist und stetig wächst, ist für eine Anlage über Jahrzehnte die verlässlichere Wahl.
Thesaurierend oder ausschüttend
Ein ausschüttender ETF überweist dir die Dividenden der enthaltenen Aktien regelmäßig aufs Konto. Ein thesaurierender ETF legt sie sofort wieder im Fonds an. Im Vorsorgedepot fällt in der Ansparphase keine Steuer an, weder auf Ausschüttungen noch auf Umschichtungen. Die Steuerfrage, die beim normalen Sparplan oft den Ausschlag gibt, spielt hier also keine Rolle. Praktischer ist trotzdem die thesaurierende Variante, da die Erträge ohne dein Zutun weiterarbeiten und der Zinseszins nicht unterbrochen wird.
Von unseren Kunden
“Bin eigentlich nicht der Bewertungs Typ aber hier muss ich es sagen. Die Beratung bei finanzklar war echt gut. Sehr unkompliziert und schnell. Ich wusste vorher nicht was ich alles an Förderung nutzen kann. Juri war locker und trotzdem professionell. Gerne Untertsütze ich das Unternhmen mit der Bewertung :)
Anonym
Kunde auf ProvenExpert
Welt-ETFs als Basis
Drei Indexfamilien bilden den Weltaktienmarkt ab und stehen dabei bei fast jedem Anbieter zur Wahl. Sie alle werden in der Regel der Risikostufe 4 zugeordnet.
| Index | Was drinsteckt | Für wen |
|---|---|---|
| FTSE All-World | Unternehmen aus Industrieländern und aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien | Wer mit einem einzigen ETF die ganze Welt abbilden will |
| MSCI ACWI | Derselbe Ansatz nach den Regeln eines anderen Indexanbieters | Wer den MSCI-Standard bevorzugt oder ihn beim Anbieter günstiger bekommt |
| MSCI World | Nur Industrieländer wie USA, Japan, Deutschland, keine Schwellenländer | Wer Schwellenländer bewusst weglässt oder als zweiten ETF ergänzt |
Die Auswahl des Index entscheidet über die Gestaltung deines Depots. Eine konkrete Empfehlung gibt es jedoch nicht. FTSE All-World und MSCI ACWI streuen zum Beispiel ähnlich breit. Die Unterschiede liegen hier in Details der Zusammensetzung. Der MSCI World verzichtet auf die Schwellenländer und ist dadurch im Vergleich etwas enger gefasst. Wer ihn wählt, kann einen Schwellenländer-ETF als zweiten Baustein dazunehmen. Wichtiger als die Wahl des Index ist, welchen davon dein Anbieter zu welchen Kosten führt.
Nachhaltige, Geldmarkt- und Anleihen-ETFs als Ergänzung
Nachhaltige Varianten der Weltindizes erkennst du an Zusätzen wie SRI, ESG oder Screened im Namen. Sie lassen Unternehmen aus bestimmten Branchen weg, zum Beispiel Waffen oder Kohle. Diese sind ebenfalls erlaubt, solange die Risikoklasse passt. Wenn du das nicht möchtest, kannst du auf die Zusätze achten. Dennoch ist es wichtig, auch bei den nachhaltigen Varianten eine breite Streuung sicherzustellen. Stark gefilterte Indizes mit wenigen Hundert Firmen verhalten sich anders als der Gesamtmarkt.
Für den sicheren Teil deines Depots bieten sich zwei Gruppen an. Geldmarkt-ETFs legen das Geld kurzfristig bei Banken an. Sie bringen so ungefähr den Zins eines Tagesgeldkontos mit entsprechend niedrigem Risiko in Risikostufe 1. Auch ETFs auf kurz laufende Bundesanleihen schwanken kaum. Sie leihen dem deutschen Staat Geld für wenige Jahre und werden in den Risikostufen 1 oder 2 angesiedelt.
Anleihen-ETFs mit langen Laufzeiten reagieren dagegen spürbar auf Zinsänderungen und landen daher auf Stufe 3. Das Gesetz erlaubt zwar auch einzelne Euro-Anleihen von Staaten, im Depotalltag sind ETFs aber einfacher zu besparen.
Wie viele ETFs sind sinnvoll und welche gehören nicht ins Depot?
Ein Welt-ETF reicht für die gesamte Ansparphase. Wer zwei möchte, kombiniert entweder MSCI World mit einem Schwellenländer-ETF oder einen Welt-ETF mit einem sicheren Baustein. Mehr als zwei bis drei Positionen bringen keine zusätzliche Streuung. Sie sorgen lediglich für mehr Aufwand beim Ausgleichen der Anteile.
Als Grundlage ungeeignet sind sogenannte Themen-ETFs, beispielsweise auf Künstliche Intelligenz oder Wasserstoff. Auch ETFs auf einzelne Länder oder Branchen sollten nicht als Grundlage verwendet werden. Sie setzen auf eine einzelne Idee. Das kann natürlich aufgehen, ist für die Altersvorsorge aber nicht empfehlenswert. Ein ETF auf den S&P 500, also die 500 größten US-Unternehmen, ist zulässig und breit, deckt aber nur ein Land ab. Er ist als Ergänzung zu einem Welt-ETF vertretbar, als einziger Baustein allerdings zu einseitig.
ETF-Strategie nach Anlagedauer
Mehr als 15 Jahre bis zur Auszahlung
Bei einem langen Horizont darf das ganze Geld in Aktien-ETFs liegen. Kurseinbrüche werden über die Jahre aufgeholt und jeder Prozentpunkt Rendite wirkt über Jahrzehnte. Ein einziger Welt-ETF mit Sparplan genügt. Wichtig ist nur, in Krisen nicht auszusteigen.
Weniger als 10 Jahre bis zur Auszahlung
Je näher der Auszahlbeginn rückt, desto stärker trifft dich ein Kurssturz kurz vor dem Start. Sinnvoll ist deshalb, schrittweise einen Teil in Geldmarkt-ETFs oder ETFs auf kurz laufende Bundesanleihen umzuschichten. Im Standarddepot macht der Anbieter das automatisch. Im freien Depot legst du selbst fest, wann und wie viel. Umschichtungen im Depot sind steuerfrei, du musst also keine Rücksicht auf Steuerfolgen nehmen.
In der Auszahlphase
Auch nach dem Auszahlbeginn ab 65 bleibt dein Kapital angelegt, ein Auszahlplan läuft mindestens bis 85. Wer dann alles in Geldmarkt-ETFs parkt, verschenkt 20 Jahre Rendite. Bewährt ist eine Aufteilung. Der Betrag für die nächsten Jahre liegt in einem sicheren ETF, der Rest bleibt im Welt-ETF.
bis 100 % Aktien-ETF
schrittweise umschichten
Reserve sicher, Rest im Welt-ETF
Auswirkung der ETF-Kosten über die Laufzeit
Die laufenden Kosten eines ETF wirken über 30 Jahre wie ein Abschlag auf die Rendite. Das Rechenbeispiel zeigt, was ein halber Prozentpunkt Fondskosten ausmacht und wie viel die Grundzulage im selben Zeitraum beisteuert.
Rechenbeispiel, 30 Jahre Ansparphase
Annahmen: 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr. Im Vorsorgedepot kommen 540 € Grundzulage dazu, zusammen 2.340 € oder 195 € im Monat. Im ungeförderten Sparplan bleibt es bei 150€ im Monat. Wertzuwachs 6 % pro Jahr vor Fondskosten. Laufzeit 30 Jahre bis 65.
Im Vorsorgedepot, mit Grundzulage:
Im ungeförderten Sparplan, ohne Zulage
Der halbe Prozentpunkt Fondskosten kostet über 30 Jahre etwa 15.700 € im Depot und 12.000 € im Sparplan. Die Grundzulage bringt beim gleichen ETF rund 42.300 € mehr Endkapital, obwohl du selbst keinen Euro mehr einzahlst. Zwischen der günstigsten und der teuersten Variante liegen 54.300 €. Das ist so viel, wie du in 30 Jahren aus eigener Tasche eingezahlt hast. Auffällig ist zudem, dass der teure Fonds im geförderten Depot den günstigen ETF im ungeförderten Sparplan deutlich schlägt. Die Zulage wiegt die höheren Kosten mehr als auf.
Vereinfachte Modellrechnung ohne Kinderzulage, Steuern in der Auszahlphase und Kursschwankungen. Die Gebühren des Anbieters für Depotführung und Verwaltung kommen hinzu und unterscheiden sich je nach Angebot. Deine eigenen Zahlen kannst du im Altersvorsorgedepot-Rechner durchspielen.
ETF-Auswahl und Anbieterwahl zusammen denken
Der beste ETF nützt dir nichts, wenn dein Anbieter ihn nicht führt. Der günstigste Anbieter kann ebenfalls die falsche Wahl sein, wenn er nur eigene Fonds anbietet. Beide Entscheidungen gehören daher zusammen. Lege zuerst fest, welchen Welt-ETF und welche Ergänzungen du möchtest. Prüfe anschließend, welcher Anbieter genau das zu welchen Gesamtkosten ermöglicht und ob dein Vertrag eine eigene Auswahl zulässt.
Die vollständigen Konditionen erscheinen erst im Laufe der Einführung des Altersvorsorgedepots. Umso mehr lohnt es sich, die eigenen Anforderungen jetzt zu formulieren und auf dieser Basis die Anbieter zu vergleichen.










