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Interview

„Altersvorsorge ist kein Schnäppchenmarkt” – Harald Klein

Juri im Gespräch mit Vertriebschef Harald Klein (Helvetia Baloise) über Neobroker zum Nulltarif, den Staat als Anbieter und warum beim Altersvorsorgedepot am Ende die Beratung entscheidet.

Auf einen Blick

  • GastHarald Klein Geschäftsführer Vertrieb Baloise Financial Services, Generalbevollmächtigter Maklervertrieb Leben
  • ThemaSupermärkte und Unternehmen aus Versorgung und Logistik könnten künftig ins Altersvorsorgedepot einsteigen. Harald Klein ordnet diese Entwicklung ein.
  • Prognose„Non-Financial Player“ könnten mit White-Label-Lösungen in den Markt eintreten. Klein hält eine reine Online-Lösung für eine Minderheit: 20–30 % könnten sie wählen, während die meisten Sparer Beratung wünschen.
  • KontroverseLockt der einfache Online-Abschluss die Falschen? Klein sieht im Preiskampf der Neobroker weniger ein Risiko für das eigene Geschäft als für die Kunden.

Shownotes

Darum geht’s in der Folge

Zum 1. Januar 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit der Riester-Rente. Finanzklar begleitet diese Reform mit einem eigenen Podcast-Format: Im Gespräch mit Entscheidern aus Politik, Wissenschaft, Versicherungswirtschaft und Neobroker-Branche ordnet Finanzklar ein, was das neue Gesetz für Verbraucher, Berater und Anbieter konkret bedeutet.

Folge 6:

In dieser Folge spricht Juri Galkin mit Harald Klein (Geschäftsführer Vertrieb Baloise Financial Services) über die Frage, die den Markt gerade umtreibt: Zählt beim AVD am Ende nur der Preis? Scalable zum Nulltarif, DWS sehr günstig, dazu bald ein staatliches Angebot? Klein hält dagegen und erklärt, warum ein Produkt „von der Stange” für die meisten Menschen die falsche Wahl ist.

Im Fokus:

  • Non-Financial Player: Warum Unternehmen aus Versorgung, Lebensmittelhandel und Logistik ins Altersvorsorgedepot einsteigen wollen
  • „Altersvorsorge ist kein Schnäppchenmarkt“: Warum der Preiskampf der Neobroker für Klein weniger ein Geschäfts- als ein Kundenrisiko ist
  • Der Staat und sein Standarddepot: Warum Klein den Staat faktisch nicht als Produktanbieter sieht und im Januar weder eine eigene Lösung noch eine Beratungsmannschaft erwartet
  • Zillmerungsverbot: Warum Klein nicht mit einer Aufhebung rechnet und was das für die Branche bedeutet
  • Standard- versus Premiumprodukt: Warum investmentaffine Sparer selten zum Standarddepot greifen und Klein höchstens 20–30 % bei der günstigeren Variante sieht
GastHarald Klein
Geschäftsführer Vertrieb Baloise Financial Services, Generalbevollmächtigter Maklervertrieb Leben
HostJuri Galkin
Gründer von Finanzklar · LinkedIn

Transkript

Juri00:06

Danke, dass wir heute hier sein dürfen, und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Wie viel Fusion und wie viel AVD hast du aktuell? Was gewichtet mehr von den Themen her?

Harald Klein01:09

Das ist eine spannende Frage, muss ich sagen. Wie viel? Ich würde mal sagen, ja, man kann es so pauschal gar nicht sagen, weil eins wirkt in das andere. Weil AVD ist natürlich ein Thema, das gefühlt die ganze Welt beschäftigt. Also es gibt kaum noch ein Thema, das nicht mit AVD zu tun hat. Und im Zuge der Fusion hat man ja mit vielen Prozessen mit Menschen zu tun, die man mitnimmt auf diese Reise, und dadurch extremst viel Kommunikation notwendig ist. Weil wenn zwei Kulturen zusammenkommen, ohne Wertung von irgendeiner Kultur, schafft man halt eine neue gemeinsame Kultur und Kultur braucht Zeit und braucht Kommunikation, Transparenz, Verständnis.

Juri02:00

Dann ganz viel Erfolg auf jeden Fall dafür. Also erstmal danke, dass du überhaupt hier in den Podcast gekommen bist. Die Terminvereinbarung war ja recht komplex, weil dein Terminkalender total voll ist. Darum auf jeden Fall vielen, vielen Dank, dass du das möglich gemacht hast. Wir haben ja einige Fragen heute vor uns. Heute soll es um das Altersvorsorgedepot gehen. Wir gucken mal, wie tief wir insgesamt in die Themen eintauchen können. Als ich mir deinen Lebenslauf angeguckt habe, habe ich gesehen, du hast gefühlt dein ganzes Leben lang schon mit der Finanzwelt zu tun und gerade mit dem Vertrieb zu tun. Was ich mich am Anfang gefragt habe, ist: Du hast damals auch die Riester-Reform mitbekommen. Inwieweit ist die Reform damals mit der heutigen vergleichbar?

Harald Klein02:35

Ja, ich mache mir seit Tagen, muss ich sagen, viele Gedanken darüber oder seit Wochen. Und ich muss sagen, es gibt natürlich Parallelen, und zwar Parallelen. Es geht ja hier um eine privatfinanzierte, ein Konzept zur privatfinanzierten Altersvorsorge und als Baustein für das gesamte Altersvorsorgethema. Wenn man aber natürlich genau drauf schaut, was ist der Unterschied von heute zu dem Damaligen, zur Riester-Einführung, glaube ich: Punkt eins, dass die Menschen, also unsere Mitmenschen, alle viel, viel offener für das Thema Altersvorsorge sind, weil es, das Bewusstsein, dass die staatliche Rente eben doch sehr dünn ist oder eben nicht ausreichend ist für die meisten, dazu führt, dass die offener für das Thema sind. Das ist für mich so eine Beobachtung und auch eine Erkenntnis. Das zweite, was ich sehe, ist die Tatsache, dass ich der Meinung bin, in den letzten Jahren, Jahrzehnten ist die Finanzkompetenz von den Menschen gestiegen, eben durch Öffentlichkeitsthemen, die Menschen beschäftigen sich mehr damit. Man sieht, der Trend zu dem Thema Investitionen, Aktien, ETFs, vor allem von vielen, vielen Menschen, war vor Jahren ja damals zur Riester-Einführung so was von unbekannt. Und im Vergleich zu heute bei jungen Menschen sieht man ja ganz extremst das Interesse, gerade durch Social Media, durch die ganzen Internetinformationen. Die Affinität für das Thema Finanzen, also das beobachten wir. Das ist auch eine neue Dimension. Und was ist der entscheidende Unterschied zu damals? Ich würde mal sagen, der entscheidende ist, dass wir, bei Riester hatten wir eine Vorgabe einer Garantiepflicht von 100 %, was ja heute nicht mehr der Fall ist. Und das gibt eine ganz neue Dimension.

Juri04:34

Das heißt, damals hattet ihr auch schon irgendwie so gedämpfte Emotionen, weil ihr gewusst habt, die Garantie, der Garantiezwang ist für den Kunden nicht gut und für euch als Versicherer auch einfach sehr komplex.

Harald Klein04:42

Ja, jein. Garantien haben ja Vor- und Nachteile. Es gibt Sicherheit auf der einen Seite und dann gleichzeitig nimmt es natürlich auch Chancen. Und langfristig wissen wir, dass Garantien nicht unbedingt Sinn machen. Und da wir über eine langfristige Altersvorsorge sprechen, ist vermutlich eben ein Produkt eben, das freistellt die Entscheidungen, nicht unbedingt über eine Anleihe zu gehen, sondern doch über den Aktienmarkt Kapital zu erwirtschaften, spannender. Und deshalb gibt es noch viel mehr Chancen. Das sehen wir heute auch im neuen Altersvorsorgeprodukt auch als sehr positiv.

Juri05:17

Ja, das stimmt. Was ich gar nicht bedacht hatte, war damals, als Riester eingeführt wurde, war das Rentenniveau ja deutlich höher, als es jetzt aktuell ist. Das heißt, und ich meine jetzt aktuell sagt gefühlt monatlich der Kanzler: Man muss privat vorsorgen, die Rente alleine reicht nicht. Das heißt, die Affinität dazu, das zu tun, ist deutlich höher. Früher war das ja gar nicht so. War der Staat damals dann bei Riester einfach holprig? Weil es war komplexer, die Produkte zu vermitteln.

Harald Klein05:40

Ich glaube, es war vielleicht eher noch viel Unerfahrenheit. Man wusste, man hat, man wusste, man sollte was tun. Man hat sehr viel versucht zu reglementieren. Am Anfang auch natürlich Thema Zillmerung, war ja auch so ein Thema. Und man hat ja viele Verbote oder Richtlinien eingeführt. Und am Anfang hat es ja überhaupt keinen Erfolg gehabt. Erst als man das Produkt Riester seinerzeit damals unterstützt hat, dass Berater, eben der Vertrieb, auch dafür honoriert wurde. Ab dem Zeitpunkt wurde das ja noch interessant in der Verbreitung. Aber faktisch natürlich genauso, Garantien bringen natürlich für manche Leute in bestimmtem Alter vielleicht Sicherheit mit, ja, aber wenn ich an die jungen Leute denke, die für später vorsorgen sollen, dann glaube ich, ist es heute spannender mit den Möglichkeiten, die wir jetzt bekommen. Ab 1. Januar 27.

Juri06:34

Auf jeden Fall. Was ich ja mit der Zeit von damals vergleichbar finde, ist: Damals gab es ja die Zillmerung, die wurde in den ersten Jahren oder als Riester eingeführt wurde, war die Zillmerung auf zehn Jahre festgelegt, dann hat man gemerkt, irgendwie wird das Produkt gar nicht vertrieben, dann wurde es auf fünf Jahre reduziert. Beim AVD kommt man auf einmal auf die Idee, gar keine Zillmerung einzuführen. Wir haben auch neulich mal einen Bundestagsabgeordneten gefragt, was seine Meinung dazu ist. Mich würde erstmal deine Meinung interessieren. Glaubst du, das muss angepasst werden? Machen wir nicht denselben Fehler wie damals?

Harald Klein07:01

Also ich glaube es nicht, weil wir stellen ja gerade fest, alle Marktteilnehmer, mit denen ich mich unterhalte: Wir wissen, dass Vertrieb natürlich eine ordentliche Vergütung braucht. Ordentlich ist natürlich auch relativ, logischerweise. Aber wir glauben, dass die verschiedenen Möglichkeiten, die sich jetzt ergeben, in den Vergütungskonstellationen sowohl im Versicherungs- wie auch im Investmentprodukt sehr spannend sein können, für jeden Vermittler, Bank, Pool, Versicherungsagentur, wer auch immer, um für die Beratung auch eine angemessene Vergütung zu bekommen. Also wir glauben nicht, dass das dazu führen wird aufgrund jetzt der Konstellation des Zillmerungsverbots, dass es gekippt wird. Es wird weniger geben. Ja, das weiß man auch. Aber es wird auch viele Chancen dadurch sich ergeben.

Juri07:47

Okay, Herr Dr. Wiener, das war der CDU-Abgeordnete, bei dem wir waren. Der war damals auch Chefvolkswirt beim GDV, der meinte, er glaubt, das Ganze muss noch mal angepasst werden. Warum glaubst du denn, ich meine, warum hat es damals nicht geklappt mit den zehn Jahren? Warum sollte es jetzt klappen mit dem kompletten Zillmerungsverbot?

Harald Klein08:05

Also erstmal glaube ich, der Vertrieb per se, der steht vor einer ganz neuen Herausforderung, weil wir werden, wir haben auf einmal beispielsweise, also das, was man sieht: Wir haben so viele Onlineanbieter, die in diesen Markt reingehen werden und werden quasi den Kunden bearbeiten oder angehen, gegebenenfalls der heute sein Kunde ist aus Sicht des Vertriebspartners. Also das heißt, wir haben hier einen komplett neuen Onlinewettbewerb. Das ist ein Thema, das hat natürlich eine hohe Relevanz auf jeden einzelnen Vertriebsmitarbeiter. Jetzt mal, egal in welchem Konstrukt er unterwegs ist, ob Pool, Vertrieb, Agentur, spielt erst mal gar keine Rolle. Das zweite Thema ist, dass wir auch sehen, dass diese intensiven Informationen, die jetzt beginnen zu starten durch Presse, durch den ein oder anderen Marktteilnehmer, dieses Thema Altersvorsorgedepot natürlich einen ganz anderen Fokus bekommt und die Menschen offen sind und dadurch natürlich auch das Interesse weckt, sich zu informieren: Was heißt das konkret? Und schlussendlich muss man sagen, die aktive Ansprache jedes einzelnen Vertrieblers, Beraters ist zwingend notwendig, auf der einen Seite und auf der anderen Seite hat es eine Riesenchance. Manche sprechen auch über Leadgenerierung. Weil sie sagen sich, wenn ich es vielleicht in der Vergangenheit Riester nicht angefasst hatte, aus welchen Gründen auch immer, sehe ich jetzt eine Riesenchance, weil hat doch ein Riesenpotenzial. Wir reden ja von potenziellen 45 Millionen Menschen. Also circa 15 Millionen Riester ungefähr gibt es so circa 14,4, glaube ich. Weitere über 30 Millionen Potenziale kommen dazu. Und das ist natürlich eine Menge und dadurch natürlich eine Riesenchance, eben Menschen zu erreichen zum Thema Altersvorsorge und vor allem eine ganzheitliche Beratung durchzuführen, also den kompletten Cross-Selling-Ansatz, der vermutlich die ohne die Altersvorsorgereform in dieser Form gar nicht möglich gewesen wäre. Also ich sehe das eher als eine Riesenchance für viele und gar nicht als ein Problem.

Juri10:11

Ja, okay, es bleibt auf jeden Fall spannend. Also ich bin gespannt, ob die Zillmerung angepasst wird. Aber die Argumentation ist natürlich schlüssig. Die Neobroker haben jetzt einfach auch so eine Reichweite, die Influencer. Die Preissensitivität ist einfach so hoch. Es wird, glaube ich, auch komplex, eine Zillmerung überhaupt durchzusetzen beim Endverbraucher. Was mich mal interessieren würde, ist jetzt mal weg von der unternehmerischen Sicht, von dem Produkt. Ich will mal so auf die politische Sicht. Das ganze Produkt braucht man ja, weil die Rente nicht ausreicht. Wenn du jetzt mal Politiker wärst, an welchen drei Dingen würdest du eher schrauben? Renteneintrittsalter, Beitragshöhe – Renteneintrittsalter, Höhe oder den Beitragssatz? Genau.

Harald Klein10:48

Das ist eine spannende Frage. Manchmal stellt man sich die Frage: Wenn ich Politiker wäre, was würde ich tun? Es gibt auch immer dieses Beispiel: Wenn ich Bundestrainer wäre, was würde ich alles machen? Wir hatten ja gestern das Thema mit Kloppo jetzt als neuen Trainer. Das ist immer eine spannende Thematik. Also ich würde erst mal sagen, ich denke, ich würde definitiv die Rentenhöhen nicht kürzen, weil die ist schon knapp genug die Rente. Natürlich wollen das viele nicht hören, aber ich glaube, die nächste Generation wird sich, ob sie will oder nicht, vermutlich auf eine längere Arbeitsphase einstellen müssen, sofern es der Beruf natürlich erlaubt und möglich ist. Also es wird natürlich nicht in jedem Beruf funktionieren. Definitiv. Aber ich glaube, dass die längere Arbeitszeit eben ein Teil der Lösung sein kann. Ferner sehe ich eine Beitragserhöhung auch kritisch, weil die Gelder nicht da sein werden. Was aber, glaube ich, ganz, ganz entscheidend ist, dass die neue Denkweise, dass wir heute über Altersvorsorgemöglichkeiten nachdenken, jetzt gerade auch durch das Altersvorsorgedepot, eigenfinanziert, kapitaleffizient und zulagebegünstigt, genau das ist, was die Mitbürger oder unsere Mitmenschen benötigen. Und wenn man noch über den vierten Punkt nachdenkt, dass man auch in der gesetzlichen Rente mal darüber nachdenkt, heute ein Umlagefinanzierungsmodell, vielleicht mal in Zukunft eher Kapitalkomponenten, Kapitaleffizienz, mal nachzudenken, wie man darüber vielleicht auch mal die Renten anders aufbauen könnte. Das ist, glaube ich, auch ein spannender Ansatz.

Juri12:34

Die Frage, die mir jetzt mal spontan einfällt, ist: Ich meine, es gibt ja jetzt die Alterssicherungskommission hat 33 Empfehlungen reingebaut und ich fand viele Empfehlungen fand ich richtig. Du bist ja jetzt auch Branchenvertreter. Einer der Empfehlungen ist, dass man ja auch eine Kapitaldeckung, eine zwanghafte Kapitaldeckung in die Rente einbringt. Wie ist das für dich als Branchenvertreter, wenn du so etwas hörst? Das wäre ja eigentlich eine Konkurrenz zu den privaten Produkten, die ihr vertreibt. Befürwortet man das als Branche oder sagt man, man kann viel mehr privat machen?

Harald Klein13:05

Ja, da bin ich hin- und hergerissen, muss ich sagen. Die Menschen sollten grundsätzlich frei entscheiden, was sie tun wollen oder nicht tun wollen. Auf der anderen Seite hat die Rentenkommission natürlich viele verschiedene Vorschläge, die da unterbreitet wurden, auch entsprechend bestätigt. Und ich bin der Meinung, das sind Experten und die wissen schon, was sie tun und die müssen das Ganze betrachten. Und ich denke, dass viele von sich aus oftmals nicht den gesamten Blickwinkel drauf haben und daher glaube ich schon, dass wir in diesen vielen Vorschlägen sehr gute Vorschläge haben. Und diese Vorschläge sind auch deshalb interessant, weil man damit auch schneller mal zum Ziel kommen könnte. Weil wir wissen ja, wenn man keine Entscheidung trifft, dann dauert das immer wieder länger. Und die Frage, ob das Ergebnis dann besser ist, meistens nur anders. Aber es hat noch länger gedauert. Und von daher begrüße ich eher, dass eben doch dieser Kommission allen Empfehlungen erst mal gefolgt wurde.

Juri14:04

Das wäre so meine Folgefrage. Ich fand das ganz sportlich vom Kanzler, dass er gesagt hat, ich will allen folgen. Du würdest sagen, kaufst du ihm das ab?

Harald Klein14:13

Ja, weil das macht eine Bandbreite von Möglichkeiten auf. Und ich glaube, es gibt eben nicht nur schwarz-weiß, sondern eben auch dazwischen gibt es verschiedene Farbnuancen. Und am Ende muss man halt gucken, dass man jeden erreicht, irgendwo. Jeder, jedes Individuum ist anders und unterschiedlich und das macht das nachher im Prinzip aus, dass vielleicht doch jeder irgendwo oder nicht jeder, aber die meisten wahrscheinlich dann auch eine Lösung finden, mit der sie dann entsprechend zufrieden sind. 100 % gibt es sowieso nie.

Juri14:42

Lass uns wieder von der politischen auf eure unternehmerische Sicht. Ihr sitzt ja auch auf einem gewissen Riesterbestand. Jetzt nicht nur bei Baloise, ihr seid ja fusioniert, es gibt Helvetia Baloise. Ich habe von anderen Gesellschaften gehört, dass die schon etwas Bauchgrummeln und auch Sorgen haben, dass die ganzen alten Riesterbestände, wo man auch gute Bestandsprovisionen und Ähnliches bekommen hat, jetzt zu dem günstigeren Altersvorsorgedepot wechseln. Inwieweit habt ihr da Sorge um diesen ganzen Umzug?

Harald Klein15:06

Also wir sind erstmal sehr happy, dass wir dieses Thema insofern nicht haben, weil wir haben einen Riesterbestand, aber einen sehr überschaubaren, also keinen großen.

Juri15:15

Hast du eine Zahl, wie viel von eurem Gesamtumsatz das ungefähr ausmacht? Oder ein Bauchgefühl? Ist es 2 %? Sind es 10 %?

Harald Klein15:25

Eher in der erstgenannten Zahl.

Juri15:26

Ach, krass, okay.

Harald Klein15:27

Und wir haben das wirklich keine große, das hat keine Relevanz in unserem ganzen Doing. Gott sei Dank. Und daher haben wir auch keine Bauchschmerzen. Man muss aber natürlich sagen, den Bestand, den wir haben, vor allem auch in der Ausschließlichkeit unseres Hauses vermittelt damals, den wollen wir natürlich verständlicherweise behalten und nicht irgendwie verlieren oder entsprechend umgedeckt sehen. Aber gleichzeitig muss ich sagen: Es ist immer wichtig, was ist für den Kunden das Beste. Also wir möchten wirklich den Kundennutzen in den Vordergrund stellen. Und das ist auch ein Motiv, warum wir beispielsweise als Unternehmen auch gesagt haben, dass wir mit zwei verschiedenen Produkten an den Start gehen werden. Auf der einen Seite mit einem Investmentprodukt, aber auch mit einem Versicherungsprodukt, damit wir eben von Kunde zu Kunde immer bedarfsgerecht jedem das bieten können, was auch für ihn wichtig und gut ist.

Juri16:19

Lass uns mal für unsere Zuschauer übersetzen, was du genau damit meintest. Weil Helvetia Baloise kennt man als Versicherung. Was heißt es, dass ihr auch Investmentprodukte anbieten werdet? Also das ist ja, man kennt Versicherer als Versicherer und ich würde jetzt Trade Republic sagen, die bieten jetzt Investmentprodukte an, inwieweit könnt ihr das auf einmal auch?

Harald Klein16:35

Wir als Helvetia sind ein Versicherungsunternehmen, das ist korrekt, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite haben wir sehr viel Finanzkompetenz als gesamter Konzern und in Deutschland haben wir auch entsprechende Finanzkompetenz. Wir haben auch eine eigene Gesellschaft innerhalb der Helvetia Gruppe, die noch Baloise Financial Services, die dann ab nächstem Jahr auch umfirmiert wird in dem Zuge der Fusion. Und wir werden über diesen Bereich von Baloise Financial Services ein Produkt aus dem Hause Helvetia im Bereich Investmentprodukt Lösungen anbieten, wo wir quasi auch die Partner gewinnen werden, die eben nicht AP-affin sind, sondern die sich eben über eine Bestandsservicevergütung ihren Bestand aufbauen wollen. Und auch vielleicht für Kunden, die vielleicht schon älter sind, dergleichen, wo diese Zielgruppen natürlich auch hochinteressant sind. Also wir haben quasi für jeden das, was er benötigt und das macht uns natürlich auch in der Form aus. Und ich denke auch mal, wird doch sehr spannend sein, was wir unseren Vertriebspartnern alles anbieten.

Juri17:41

Ist ja schon ein Alleinstellungsmerkmal mit den Versicherern, mit denen wir bis jetzt gesprochen haben. Die haben also deren Varianz im Garantiefaktor, dass sie mal 80, 100, 0 % Garantie anbieten. Du hast jetzt noch mal ganz andere Produkte. Gibt es da viele Anbieter, die auch eine Investmentlösung anbieten, obwohl sie ursprünglich auch Versicherer sind?

Harald Klein17:59

Also ich kenne aktuell wirklich keinen. Es mag sein, dass vielleicht manch einer nachdenkt. Ich glaube, das ist eines unserer USPs, dass wir eben beides im Haus haben und dass wir eben diese Finanzkompetenz haben im Haus der Baloise Helvetia. Und das auch in Verbindung mit guten Netzwerken, die wir durch unsere Partner haben, über Jahrzehnte oder mehrere Jahrzehnte, die wir aufgebaut haben. Trotzdem in Kombination mit viel Technologie und mit einer neuen, spannenden Plattform, mit der wir jetzt dann auch an den Start gehen Ende Oktober. Weiteres wird folgen. Werden wir dort auch eine spannende Lösung anbieten auf der Investmentbasis und dann ein paar Wochen später zum Januar, dann als Versicherungslösung mit aller Flexibilität, die man aus dem Hause Helvetia kennt.

Juri18:48

Ich will mal so, du hast ja eine megalange Berufserfahrung beim Maklergeschäft und das ist jetzt nicht mit einer starken Evidenz belegt, aber die laienhafte Forschung, die ich angestellt habe, indem ich mal andere Vertriebe auch mal gefragt habe: Wenn ich mir mal anschaue, so die durchschnittliche Höhe der Altersvorsorge, die vermittelt wird, liegt so ungefähr bei 150 €. Das ist exakt der Betrag, den man in das Altersvorsorgedepot zahlen kann. Wenn jetzt die Provisionen dort aber gekappt werden, vielleicht nur noch 50 % oder vielleicht auch 60, 70 % sind, gibt es ja trotzdem eine Umsatzeinbuße für die. Inwieweit blickst du da mit Sorge auf diese Vertriebe? Gibt es da einen krassen Umbruch, der uns bevorsteht bei den Vertrieben? Wird es vielleicht eine kleine Pleitewelle bei den ganzen Leadgeschäften geben oder Leadprojekten geben, die nur Altersvorsorge anbieten?

Harald Klein19:31

Es ist wie immer im Leben. Der eine sieht die Chancen, die Risiken. Wahrscheinlich ist beides berechtigt. Jedoch glaube ich, dass diese vermeintliche, diese 150 €, die du ansprichst, die natürlich die höchste, also die Förderung von eben die ersten 30 mit 50 % und dann entsprechend die nächsten 120 zu 25 sind natürlich hochspannend. Einerseits. Auf der anderen Seite glaube ich aber nicht, dass die kompletten 150 € in das Altersvorsorgedepot fließen werden. Es hängt immer davon ab, welche Möglichkeiten wirtschaftlich hat ein Kunde und was wünscht er sich am Ende des Tages. Und ich denke, dass alle anderen Produkte, die es gibt, wie die dritte Schicht, zum Beispiel, die flexible Altersvorsorge, aber auch die betrieblich finanziell entsprechende, die bAV beispielsweise. Die werden ihre Daseinsberechtigung weiterhin haben, auch die Basisrente. Man muss das nämlich individuell betrachten. Was macht für den Kunden individuell Sinn und was macht keinen Sinn? Aber erstmal glaube ich nicht, dass alles in die Altersvorsorge reinfließen wird. Das glaube ich nicht. Und ich glaube eher, dass durch diesen Hype auf dieses Altersvorsorgethema auch die anderen Altersvorsorgedurchführungswege, dritte Schicht durch Flexibilität, Basisrente durch ihre entsprechenden Vorteile, die betriebliche, wie eben schon erwähnt, einen neuen Hype bekommen werden, weil der Kunde, der sich mit Rente beschäftigt, ist auf einmal offener für alle Themen. Und es ist ja nicht so, dass das eine schlechte und das andere gut ist. Sondern alles hat ja Vorteile. Und es kommt immer darauf an: Was konkret will ich? Wie sagt man so schön: Es kommt drauf an! Und deshalb glaube ich, ist das jetzt sehr spannend. Und in Summe würde ich sagen: Das Ganze tut uns, der Gesellschaft, gut und es wird für später, für die nächsten Jahre, Jahrzehnte eher viele Probleme lösen, weil die Erkenntnis, dass man was tun muss, nochmals geschärft wird.

Juri21:37

Durch die Prominenz des Altersvorsorgedepots wird Altersvorsorge noch wichtiger und die Leute werden einfach mehr Produkte abschließen und es wird gar nicht so ein Problem für die Vertriebe?

Harald Klein21:49

Nein, das glaube ich. Genau das ist der Punkt. Ich vermute natürlich, durch die etwas geringere oder geringere Vergütung könnte es im ersten Moment so erscheinen, dass eben, wenn man vom Einkommen her zurückstecken muss. Das mag im ersten Moment so sein. Aber gleichzeitig glaube ich, wird die dritte Schicht genauso weiter die Daseinsberechtigung haben. Vermutlich im ersten Moment eher weniger werden von der Produktion, weil ein Teil des Geldes in das Altersvorsorgedepot geht. Aber es wird mit Sicherheit eine viel höhere Abschlussquote geben. Das heißt, die Vermittler, Berater werden mehr Kunden beraten. Das erlebe ich jetzt schon, mit wie viel Fleiß und Einsatz ein Vertrieb unterwegs ist. Gestern hatte ich einen Termin bei einem Vertriebspartner und die sind durchterminiert und haben 80 % ihrer Kunden schon auf Termin ab November, Dezember, Januar.

Juri22:44

Für das Altersvorsorgedepot?

Harald Klein22:45

Für das Altersvorsorgedepot, um vorzuberaten, um vorzubeugen und einfach das mitzunehmen. Also man merkt, der Tanz geht los.

Juri22:54

Den Tanz kann man ja so tanzen, dass man am Ende eine Abschlussprovision bekommt oder auch eine Bestandsprovision. Was denkst du, wie wird sich der Markt aufteilen? Und was ist für euch als Gesellschaft eigentlich interessant? Weil ich kenne jetzt die Vermittlerseite. Viele Vermittler werden auch zuhören. Aber jetzt mal so von dir als Insider. Ist es eigentlich, also interessiert es euch, welche Art der Provision ihr zahlt?

Harald Klein23:16

Auch hier: Kommt drauf an. Aus einem ganz einfachen Grund. Es gibt ja den alten weisen Spruch: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Und am Ende entscheidet ja der Vertriebspartner für sich und für seine Kunden, wenn er bedarfsgerecht berät, wovon wir ausgehen. Was passt für den? Ich denke schon natürlich, dass Vertriebe stärker abschlussorientiert unterwegs sein werden, also Versicherungslösung anbieten, weil sie das natürlich einkommenstechnisch für sich auch benötigen. Hatten wir im Vorfeld auch schon kurz ausgetauscht. Es wird aber auch aus meiner Sicht Vertriebspartner geben, die das Thema der Investmentaffinität haben und hier tendenziell eher auch dazu neigen werden, aufgrund der neuen Möglichkeiten dieser ganzen Förderung nicht nur ratierlich, sondern auch vielleicht noch mal Zuzahlungen und ähnliche Beträge einsammeln werden und auf das Thema einer Bestandsservicevergütung zu gehen. Also eine laufende Vergütung, Versicherungsdeutsch heißt es ja BPNAV, also heißt in Zukunft Bestandsservicevergütung, habe ich jetzt gelesen die Tage. Das wird wahrscheinlich so der Trend sein, dass es einfach unterschiedlich ist. Vertriebe tendenziell eher AP-orientiert. Vermutlich ältere Makler, die Bestände haben, auch sehr interessiert, sind von ihrer Philosophie her auch serviceorientierte Gebühren, entsprechend über Bestandsservicevergütung. Deshalb uns ist das am Ende so weit recht. Hauptsache, sie machen es mit uns.

Juri24:56

Das heißt, ihr habt keine Gewichtung, ob euch das eine oder das andere lieber ist. Also weil das Geschäft landet dann am Ende bei euch.

Harald Klein25:01

Es landet bei uns im Konzern auf der einen Seite und wir versuchen unseren Kunden das zu geben und jeder soll sich das aus dem Regal nehmen, was für ihn richtig und gut ist. Und wir versuchen auf beiden Elementen oder beiden Segmenten, was wir tun, eben einen Top-Service und Top-Produkte darzustellen, mit einer sehr guten Vertriebsunterstützung, Vertriebsbetreuung, all die Themen, die natürlich wichtig sind. Prozesse ist ganz wichtig, natürlich in dem Kontext. Und das ist unser Bestreben, natürlich.

Juri25:28

Ich habe mich mit ein paar Betrieben, Vertrieben, ausgetauscht und die haben sich sehr darüber beschwert, dass es keine Zillmerung gibt und dadurch auch keine Abschlussprovisionen, wie man die jetzt kennt. Weil die sagen, ich muss mich halt jetzt ernähren und nicht irgendwie, also auch die nächsten 40 Jahre, aber ich brauche halt jetzt das Geld von der Abschlussprovision. Wie siehst du das? Kann da noch gute Beratung stattfinden, wenn man nicht mehr die Abschlussprovision bekommt, wie man sie sonst bekommen hat?

Harald Klein25:53

Also ich glaube sehr wohl, dass es immer noch eine qualitative Beratung geben wird. Wenn ich das auch nur auf dieses Thema Altersvorsorge begrenzen würde, das ist mir zu kurz gesprungen, so zu denken. Das ist ja nur eine Sequenz oder ein Teil einer Beratung. Und wir wissen ja auch, gute Berater, qualitativ hochwertige Berater, sehen immer das Ganzheitliche beim Kunden. Und die sehen den Kunden in Gänze in all seinen Themen, von der Arbeitskraftabsicherung bis zur Altersvorsorge und das in allen Schichten, die heute möglich sind. Was ich vorher schon erwähnte: Überprüfung der betrieblichen, Basisrente, dritte Schicht. Und ich glaube, jeder dieser Durchführungswege hat seine Berechtigung. Und wenn ich ganzheitlich den Kunden betrachte und berate, das ist auch der Riesenvorteil übrigens gegenüber vielleicht manchen anderen Wettbewerbern. Vielleicht, worüber wir noch mal sprechen werden heute, dass das ein Riesenvorteil für jeden Berater ist, die Chance zu sehen, seinen Kunden ganzheitlich zu beraten und nicht punktuell, nur zu einem Thema.

Juri26:55

Das heißt, du würdest sagen, wenn es dich dann wirklich so sehr finanziell trifft, dann hat man den Job nicht wirklich richtig gemacht. Weil es geht ja nicht nur darum, AV zu vermitteln, also Altersvorsorge, sondern die ganze Palette. Und dann ist es ein selbstgemachtes Problem.

Harald Klein27:08

Ja, ich glaube, das ist genau der Punkt. Wenn ich nur ein Produkt verkaufen möchte, dann könnte man das so betrachten. Da ich aber weiß, dass die guten Berater, mit denen wir auch als Helvetia natürlich zusammenarbeiten, weil wir legen auf Qualität sehr, sehr hohen Wert, diesen Weg gehen, sehe ich da weniger die Herausforderung. Natürlich muss die Beratung bezahlt werden, das ist vollkommen richtig. Also da haben wir keine andere Sichtweise darauf. Nur muss man ganz klar sagen: Beratung muss bezahlt werden. Wenn das nicht der Fall ist, das haben wir damals bei Riester gesehen, als es nicht bezahlt wurde. Was ist passiert? Wurde das eben auch nicht entsprechend den Kunden vorgestellt und erklärt. Und dann hat man ja später erkannt, man muss das wieder anpassen. Also eine vernünftige Vergütung ist in Ordnung. Und die ganzheitliche Beratung, denke ich, ist das A und O in einer guten Beratung, um dem Kunden auch langfristig Mehrwerte zu schaffen.

Juri28:07

Ja, ich will auf ein Thema zu sprechen kommen, was mir, seitdem wir uns im Vorgespräch darüber unterhalten haben, unter den Fingernägeln brennt. Du hattest mal den Gedanken aufgeworfen: Es gibt verschiedene Anbieter, es gibt die Neobroker, es wird die Versicherer geben. Jetzt gibt es auch noch den Staat. Da bin ich gleich mal gespannt, was deine Meinung ist zum staatlichen Depot. Du hast aber noch jemanden mit ins Spiel gebracht, die Non-Financial Player. Was genau verbirgt sich dahinter?

Harald Klein28:29

Na gut, es ist erstmal so, wir sehen ja im Altersvorsorgedepot, das jetzt in den Markt kommt. Das ist ein Produkt, das in der Ausprägung, das Standardprodukt, ein Premiumprodukt hat. Und dieses Standardprodukt ist ja eher so ausgelegt, dass es ja sehr, sehr einfach online abgeschlossen werden kann. Und das hat natürlich vielleicht manchem Tür und Tor geöffnet, und zwar in Verbindung mit dem Potenzial, das ich vorher schon erwähnt habe: Wie viele Millionen an Menschen in Zukunft in den Genuss einer staatlich geförderten Altersvorsorge kommen werden.

Juri29:02

45 Millionen, sagst du?

Harald Klein29:03

Es sind knapp 45 Millionen potenzielle Kunden unabhängig von den bestehenden Riesterverträgen, von den Guthaben, die irgendwo bei irgendwelchen Gesellschaften liegen. Das möchte ich jetzt gar nicht noch in den Raum stellen. Und natürlich gibt es Unternehmen, die Non-Financial sind, die Potenziale haben, Zugänge aus ganz unterschiedlichen Branchen. Ich würde jetzt heute einen Fehler machen, wenn ich irgendeinen Namen nenne, weil es offiziell noch nicht bekannt ist, außer vielleicht von einem Unternehmen, darüber haben wir uns schon unterhalten, wie Telekom zum Beispiel.

Juri29:36

Hättest du den Namen nicht genannt, ich darfs, ich habe mal Freiheiten. Das heißt, die Telekom hat es ja offenbart. Sie wird ihren Mitarbeitern für einen sehr günstigen Tarif das Altersvorsorgedepot anbieten. Du sagst aber, es wird Player geben, die jetzt nicht nur ihren Mitarbeitern das anbieten, sondern?

Harald Klein29:51

Nicht nur. Sondern dass auch sehr, sehr große Arbeitgeber sind und die ihre Zugänge und Potenziale nutzen wollen, die IT-affin sind und die hier, ich sage jetzt mal aus Bereichen von Versorgung bis Logistik kommen. Die Details kann ich nicht belegen. Ich habe sie aber gehört. Deshalb tue ich mich jetzt heute schwer, irgendeinen Namen zu nennen. Aber ich glaube, es wird Unternehmen geben, die kommen aus der Versorgung, Lebensmittelbereich sogar, beziehungsweise aus der Logistik. Und die da anscheinend dieses Potenzial erkannt haben und die dort Riesenpotenziale für die Zukunft sehen.

Juri30:32

Also ich meine, wo man das ja aus der Vergangenheit kannte, ist, es gab, eigentlich war der Markt der Telekommunikationsanbieter aufgeteilt und auf einmal gab es einen großen Discounter, der einmal seinen Telekommunikationsdienst angeboten hat. Also ich sage mal einfach den Namen Aldi Talk. Die, die haben keine eigenen Netze, die haben jetzt eine White-Label-Lösung genutzt, ihren Namen draufgehauen. Und du würdest sagen, beim Altersvorsorgedepot wird es ähnliche Produkte geben? Leute, die gar nicht aus dem Bereich kommen, die werden eine White-Label-Lösung suchen und ihren Namen draufhauen, weil sie ein hohes Kundenvertrauen genießen. Und die werden dann mit an den Markt gehen?

Harald Klein31:05

Also die werden auf jeden Fall versuchen, hier Marktanteile für sich in Anspruch zu nehmen. Ob das gelingen wird, ist eine andere Frage. In der Vergangenheit gab es solche Versuche auch. Ich glaube, die Erfolgsquote war nicht ganz so hoch. Zumindest sieht man jetzt aber durch den Hype, der da ist, ein Potenzial und ich glaube, da wird auf jeden Fall was passieren, weil die Technologie natürlich heute wieder fortgeschritten ist gegenüber vor einigen Jahren oder Jahrzehnten. Und das Thema KI und digitale Strecken, das ist ja schon spannend, wenn man sieht, was da alles möglich ist. Man weiß ja bald nicht mehr, spricht man mit einem Menschen oder mit einem Roboter? Und deshalb glaube ich, dass Technik da sehr, sehr viel dazu beitragen wird.

Juri31:49

Du hast gesagt, in der Vergangenheit war das schon mal so was. Also, was meinst du damit konkret?

Harald Klein31:55

Du hast es eigentlich soeben erwähnt. Ich meine, man sieht, da versucht jemand aus der Lebensmittel- oder Versorgungsbranche in die, wie Aldi Talk oder was auch immer. Da gibt es ja verschiedene andere Themen auch noch. Und ja, Reisebüros zum Beispiel, ich meine, heute hat fast jeder Discounter, verkauft Reisen. Und die Frage ist natürlich, mit welcher Durchdringung, mit welchem Erfolg? Aber man versucht ja immer wieder neue Wege zu gehen. Und was hat jetzt eine Reise mit Lebensmitteln zu tun? Als Beispiel. Man könnte sich die Frage natürlich stellen. Und deshalb glaube ich, dass diese Unternehmen so offen sind und sagen: Lasst uns den Weg einfach probieren.

Juri32:38

Macht euch das Sorge als Anbieter? Ich meine, diese Unternehmen sind ja dafür bekannt, dass sie nicht von dem einen Produkt leben, sondern gerne mal einfach eine super niedrige Marge nehmen. Das über ja und dann einfach sehr viel davon vermitteln. Macht euch das Sorgen?

Harald Klein32:51

Also mir persönlich macht das keine Sorgen. Ich mache mir eher Sorgen um die Kunden, weil die Frage wird natürlich sein, inwieweit so ein Produkt, es ist ja ein reiner Produktverkauf, der hier angegangen wird. Inwieweit passt der dann tatsächlich in das Konzept oder in die Lebensplanung eines Menschen rein? Und nur weil es billig ist, heißt es ja noch lange nicht, dass es unbedingt dann das Richtige sein muss. Wir wissen ja, billig ist nicht immer das Beste, aber über diesen Preis versuchen sie natürlich entsprechend, sich zu positionieren. Und daher ist die Frage für mich eher, wenn ein Kunde so ein Produkt eben von der Stange oder billig kauft, ob er dann damit auch wirklich richtig liegt. Und ich habe mal gelernt: Billig kaufen ist teuer kauft.

Juri33:36

Das stimmt. Wer billig kauft, kauft zweimal. Beim Altersvorsorge wird es teuer. Was ich auch sehr verblüffend fand, war, dass der Staat will Produktanbieter sein. Wie findest du das?

Harald Klein33:48

Er hat sich zumindest so positioniert. Aber faktisch ist er ja kein Produktanbieter, sondern er will das, er wird ja das Standarddepot quasi anbieten als gesetzliche Vorlage, das aber durch Onlineanbieter, durch Investmenthäuser, durch verschiedene Anbieter entsprechend vermittelt wird, und gibt dort eben ganz klare Regulatorik vor. Natürlich überlegt er sich auch, ob er selbst ein Produktanbieter sein wird, aber soviel ich weiß, hat er dafür keine Lösung. Zumindest nicht ab Januar. Und das Einzige, was es gibt, ist die Vorgaben, die wir haben im Standardprodukt. Und dieses Standardprodukt ist ja eine Maßgabe für jeden Anbieter, es mit am Start zu haben, das dann eben über Onlineanbieter, Investmenthäuser oder wen auch immer in dem Segment eben angeboten wird.

Juri34:32

Wie ich es verstanden habe, ist, dass es ja das Standarddepot gibt, was Neobroker, was ihr anbieten werdet. Aber der Staat will ja ganz bewusst wirklich auch Anbieter sein. Ich habe mich jetzt unterhalten mit, wer war das denn, ich glaube Herr Dr. Wiener hatte das gesagt von der CDU, dass der KENFO-Fonds da in Frage kommt, dass die das Geld verwalten. Und so wie es für mich klang, ist, dass der Staat wirklich will, also: Altersvorsorgedepot powered by Bundesrepublik Deutschland. Sowas soll es geben.

Harald Klein34:55

Gut, es gibt viele Gedanken hierzu. Wann die kommen, ob die kommen, das werden wir sehen. Ideen können natürlich immer diskutiert werden.

Juri35:05

Und wenn es kommt, macht ihr euch damit Sorgen, weil ich meine, der Staat genießt, ich wollte gerade sagen, viel Vertrauen, aber bei manchen auch nicht.

Harald Klein35:12

Ja, auch da sind wir wieder bei dem Thema. Ich glaube, alleine nur ein günstiges Produkt zu haben, das entsprechend mit hoher Zulage verbunden ist, das alleine wird nicht reichen, weil das ist immer noch ein beratungsintensives Thema. Und ohne Beratung wird es eben keine Abschlüsse, keine Erfolge geben. Inwieweit der Staat eine Beratungsmannschaft hat, die dann am Ende des Tages die Produkte vermittelt, das ist eine andere Geschichte. Aber da glaube ich nicht dran.

Juri35:39

Mich würde nochmal deine Erfahrungen interessieren. Du hast 36 Jahre Berufserfahrung im Vertrieb. Glaubst du, in diesem Gesetz ist deine vertriebliche Erfahrung berücksichtigt worden oder hast du das Gefühl, da waren super viele Theoretiker dran? Da hätte man ein paar Praktiker fragen sollen.

Harald Klein35:55

Ich glaube schon, dass viel Vertriebs-Know-how mit eingeflossen ist. Natürlich kann man jetzt darüber diskutieren, ob alles berücksichtigt wurde oder nicht. Das wird sowieso nie der Fall sein. Ich denke, man hat versucht, vieles, vieles einfließen zu lassen. Inwieweit diese ganzen Eingriffe mit Zillmerungsverbot und Co. tatsächlich dann die Lösung sind, das wird die Zeit zeigen. Ich glaube definitiv, dass man hier auf jeden Fall, auf jeden Fall mehr nachgedacht hat, um das Ganze vertrieblich interessanter zu machen, auch von vornherein auch eine Bezahlung entsprechend, eine Vergütung mit einzubauen beispielsweise und trotzdem den Kundennutzen in den Vordergrund zu setzen, sehe ich als schon sehr, sehr interessant an. Aber es ist, glaube ich, müßig zu sagen, ich sehe grundsätzlich, dass hier viel Gutes passiert für unsere Mitmenschen. Und wenn man die Chancen erkennt, was man dafür bekommen kann, gerade durch die hohen Zulagen. Gestern habe ich gelesen, irgendein Mitstreiter hat gesagt, es gibt eine garantiertes, es gibt ein garantiertes Altersvorsorgedepot mit 30 % Rendite per anno. Damit meinte er die Zulagen. Ich meine, klar, wenn ich hier 150 € im Monat, sprich 1800 im Jahr einbezahlt und dafür 540 € Zulagen bekomme, das sind auf meine 1800 eben 30 % garantiert.

Juri37:33

Es stimmt, im ersten Jahr, im zweiten Jahr halt nicht mehr, also auf die Beiträge. Aber das stimmt schon.

Harald Klein37:38

Die Aussage ist ja trotzdem. Ich denke auf jeden Fall, um eine hohe Durchdringung hinzubekommen, ist eben ganz, ganz wichtig, dass wir hier einen aktiven Vertrieb haben, dass der Vertrieb möglichst die Chancen hat, auch entsprechend gut zu beraten, sein Geld zu verdienen. Und da jeder Kunde unterschiedlich ist, bedarf das natürlich auch eine individuelle Beratung. Dafür braucht man Zeit. Dafür muss man auch entsprechend sich um den Kunden kümmern. Und die Kombination, die jetzt dafür angedacht ist, oder die Situation, wie das wahrscheinlich kommen wird. Ich denke mal, das passt so weit.

Juri38:20

Jetzt wird es ja nicht nur euch geben, es wird auch Neobroker mit in der Branche geben, die das Altersvorsorgedepot anbieten. Die machen das wirklich für einen starken Discounterpreis. Da fragt man sich auch, wie soll das langfristig haltbar sein? Ich finde die Geschäftsmodelle dahinter höchst interessant, wie das überhaupt tragbar sein soll. Was wäre denn jetzt ein Argument für jemanden, eine Versicherungslösung abzuschließen, die einfach zwangsweise mit höheren Kosten verbunden ist? Also was ist ein Argument für die Versicherungslösung?

Harald Klein38:43

Also ich glaube erstmal, Altersvorsorge ist kein Schnäppchenmarkt. Und ich habe es vorher schon gesagt: Einfach nur billig, glaube ich, ist nicht entscheidend, sondern es ist ganz, ganz wichtig, es muss in die Situation reinpassen. Und die Flexibilität, die man, also die Möglichkeiten, die man beispielsweise im Versicherungsprodukt hat, die Details werden in den nächsten Tagen folgen. Daher kann ich natürlich heute noch nichts verraten. Aber ich kann nur sagen, wir werden im Versicherungsprodukt spannende Komponenten anbieten, die hochinteressant sind, auch für die Fonds-Welt. Nicht nur lebenslange Renten mit den Vorgaben, sondern auch vielleicht noch andere Optionen. Und von daher gibt es schon Argumente oder wird es einige Argumente geben, die für Versicherungsprodukte sprechen. Und ich glaube, man muss das noch mal sich, ich wiederhole mich vielleicht jetzt in dem Podcast, nur ich glaube, es ist wichtig zu betrachten: Man muss immer das Ganzheitliche sehen und nur weil ein billiges Angebot, ein günstiges Angebot irgendwo im Schaufenster steht, würde ich nicht unbedingt raten, das zu kaufen. Weil ich kaufe ja auch keinen Anzug, der irgendwo in einem Schaufenster steht, nur weil er vielleicht gut aussieht, sondern ich muss erst mal prüfen: Passt die Größe, passt die Qualität, passt ja vielleicht sogar meine gesamte Garderobe rein. Also ich glaube, da ist so einiges ja zu beobachten oder zu prüfen, bevor man dann eben diesen Anzug kauft oder eben zu probieren. So ähnlich sehe ich das auch hier. Es wird eine gewisse Affinität geben für bestimmte Menschen in Deutschland, die das für sich in Anspruch nehmen. Das will ich gar nicht in Frage stellen, aber die Menge wird die persönliche Beratung sich wünschen und auch brauchen.

Juri40:28

Aber habt ihr da, also du wirkst jetzt selbstbewusst, was das angeht, aber gehen da nicht die Gedanken bei euch durch so oder rum? Also Scalable hat das für einen Nulltarif angeboten. Ich weiß, die DWS will das für einen super günstigen Tarif anbieten, also macht dieser Preiskampf euch da nicht Sorgen? Oder sagt ihr einfach, mit Beratung kriegen wir das schon? Da können wir höhere Kosten aufrufen.

Harald Klein40:50

Ich denke, die Menschen, die in dem Segment unterwegs sind, der Preis, es geht da Richtung Standardprodukt und ein Standardprodukt wird ja in zwei Ausprägungen, zwei Fonds hinterlegt sein und die Menschen, die sich für diese affin sind, für Scalable, wie du das gerade genannt hast, das sind auch investmentaffine Menschen, die sich schon mit dem Thema grundsätzlich beschäftigen. Und die werden vermutlich sowieso kein Standardprodukt abschließen, sondern die werden dann eher ein Premiumprodukt abschließen. Und ich denke, dass da immer noch eine Hürde zu nehmen ist und die Beratung. Also es wird ein Teil geben, ob das 20, 30 % sein werden, wir werden es sehen. Ich bin kein, ja, ich kann die Zukunft nicht voraussagen. Ich habe zwar eine Meinung dazu, aber ich werde, ich denke ja, von 20, 30 %, wenn überhaupt.

Juri41:41

Die Neobroker-Lösungen suchen?

Harald Klein41:43

Also die in dem Bereich Standardneo vielleicht, wenn überhaupt, die, die Affinität haben. Und der Rest wird eher in dem Bereich sein, die die Beratung suchen und brauchen, weil sie einfach damit gar nicht zurechtkommen.

Juri41:55

Ja, okay, ich bin gespannt. Also tatsächlich gleicht sich das auch mit der Rückmeldung von Guido Bader von der Stuttgarter. Der hat auch ungefähr gesagt so ungefähr 20 % werden, wenn überhaupt, auf so eine günstige Lösung gehen. Der Rest wird dann die in Anführungszeichen Premium-Lösungen wählen.

Harald Klein42:10

Ist unsere Einschätzung genauso. Ich schätze den Kollegen sehr und ich sehe das ähnlich, muss ich sagen. Oder wir sehen das ähnlich, weil wir immer noch von unserer von unserem Blickwinkel als aus Helvetia hier den Beratungsbedarf sehen und das, was uns die Partner spiegeln, unsere Vertriebspartner, Makler, unsere Ausschließlichkeit. Der Kunde braucht Beratung. Ein Kunde sucht die Beratung. Und ich glaube, das macht auch absolut einen Sinn, den Kunden ganzheitlich zu beraten. Und deshalb werden diese Lösungen wahrscheinlich auch hier dann die Nase vorn haben, auch nächstes Jahr, wenn es dann losgeht.

Juri42:51

Nachdem ich jetzt erfahren habe, dass ihr gerade mal einen Riesterbestand habt, der 2 bis 3 % eures Gesamtumsatzes ausgeht, ist die Frage vielleicht schon fast hinfällig. Aber geht ihr gestärkt oder geschwächt aus der Reform raus?

Harald Klein43:02

Ich würde mal sagen: weder noch. Wir sind dort nüchtern, nüchtern, im Sinne von aufmerksam, wachsam. Ich würde sagen, wir betrachten das Ganze und wir sehen das Altersvorsorgedepot als eine große Chance. Und zwar eine Chance für den Altersvorsorgemarkt. Und wir sehen das Ganze als ein Beschleuniger eher für alle Schichten, von der Basisrente über die dritte Schicht, bAV und natürlich auch das Altersvorsorgedepot. Und deshalb sind wir dort fokussiert, konzentriert, aber auch entspannt, weil wir für alles die richtige Lösung aus unserer Sicht haben und wir hier für jeden Kunden eben das Passende anbieten können in unserem Regal. Und jeder darf sich das raussuchen, was seitens des Vermittlers bei seinem Kunden passt, welche Affinität der Kunde hat. Und so haben wir beispielsweise, was ich schon sagte, in der Investment, also eine investmentbasierte Lösung. Also wir machen alles ohne Garantie, übrigens.

Juri44:03

Garantie bietet ihr gar nicht? Also 80, 100 werdet ihr gar nicht anbieten?

Harald Klein44:05

Nein. Wir sind voll ohne Garantie unterwegs.

Juri44:08

Mit was für einer Überzeugung?

Harald Klein44:09

Weil wir ein investmentorientiertes Haus sind. Das ganz klar die Überzeugung. Wir haben, auch wenn es Fondspolicen sind, eben ohne Garantie. Und das werden wir, ziehen wir auch hier weiter durch. Weil wir über langfristige Lösungen sprechen, was ich eingangs ja sagte in unserem Podcast, also immer voll davon überzeugt. Und welche Modelle dann hinten dran sind, Lifecycle und Co. ist ein anderes Thema zu einem späteren Zeitpunkt. Nur wichtig ist, dass wir von dieser Philosophie überzeugt sind. Das ziehen wir hier auch durch. Also investmentbasierte Depots mit einer sehr, sehr hoch spannenden Technologie-Plattform, die Mehrwerte schafft. Da wird der Markt noch staunen, was wir da bringen werden. Und dann ziehen wir im Januar nach mit unserer sehr flexiblen Versicherungslösung, die wir, die man ja aus dem Haus kennt, auf Basis der Familie Bestinvest. Und da haben wir ganz, ganz spannende Lösungen dafür auch und ich kann jedem nur sagen: Wartet ab und wir werden euch sehr positiv überraschen als Helvetia mit dem Altersvorsorgedepot mit unseren Lösungen vor allem. Basierend auf vielleicht noch ganz kurz, immer auf Qualität.

Juri45:13

Es bleibt auf jeden Fall sehr, sehr spannend. Ich habe eine persönliche Frage noch mal zum Schluss. Unsere Zuschauer sind Berufseinsteiger, sie verdienen ihr erstes Geld. Was würdest du jetzt einem Mitte-20-Jährigen raten, wenn du ihm einen Tipp zur Altersvorsorge geben würdest? Welcher Tipp wäre das?

Harald Klein45:27

Einem Einsteiger? Ja, auch da ist es, man kann es ja nicht pauschal beantworten. Einsteiger heißt ja. Die Frage ist, welchen Background hat er? Was bringt er von zu Hause auch schon mit? Wie, wie, wie? Also man kann es so pauschal gar nicht sagen. Wie viel? Die Frage ist, welche Möglichkeiten er hat oder wie sein Potenzial, sein Sparpotenzial überhaupt aussieht. Also erst mal, wenn er Berufseinsteiger ist, ich würde in erster Linie ihm empfehlen, seine Arbeitskraft abzusichern. Also ich halte die die Arbeitskraftabsicherung noch für viel wichtiger wie ein Altersvorsorgedepot, weil die Arbeitskraft ist die Basis aller seiner Möglichkeiten, von denen er in Zukunft, auf die er aufbaut. Weil was hilft es mir, wenn ich die Altersvorsorge abschließe und ich vielleicht in ein paar Jahren die dann gar nicht mehr bedienen kann, weil ich vielleicht berufsunfähig werde? Also die Empfehlung von mir auch, auch da sind wir natürlich, als Haus Helvetia gehören wir zu den Top-Playern im Markt. Ich will nicht sagen zu den Marktführern. Auf jeden Fall gehören wir zu den Topunternehmen. Ich glaube, wir sind im Neugeschäft unter den Topgesellschaften im Markt, in dem Risikoträger Baloise. Und das möchten wir auch jedem nahelegen, als Basisberatung immer über die BU zu gehen, da wo es natürlich möglich ist. Ansonsten gegebenenfalls auch eine Grundfähigkeit, um diese Arbeitskraft abzusichern. Und wenn die Basis geschaffen ist, dann redet man gerne über eine Altersvorsorge und dann muss man eben schauen: Gibt es eine betrieblich unterstützte, vielleicht eine arbeitgeberfinanzierte bAV, dann mach die natürlich genauso. Sind sie mitzunehmen, wenn der Arbeitgeber sich beteiligt. Wenn ich dann noch privat Gelder übrig habe, dann würde ich mindestens die 30 € als Mindeststart in ein Altersvorsorgedepot mitnehmen, weil 50 % Förderung auf mein Geld, das ist natürlich eine Ansage. Die sollte man definitiv mitnehmen. Aber das siehst du auch schon. Ich kann dir deine Frage so einfach nur pauschal mit rein aufs Altersvorsorgedepot gar nicht beantworten, weil es ist viel umfangreicher. Und übrigens die Privathaft, die sollte ich auch nicht vergessen, weil ich glaube, auch dies ist wichtig, weil auch die Verbraucherzentralen sagen ja immer: Bitte Privathaftpflicht und BU und dann kommt Altersvorsorge. Und das kann ich jedem Berater nur empfehlen, auch wenn vielleicht der Prozess in der BU manchmal durch Gesundheitsfragen etwas länger ist. Aber ich glaube, es ist zwingend notwendig, aus ja als Berater auch den Kunden darauf hinzuweisen, dass es eben zwingend notwendig ist.

Juri47:50

Alles klar, Harald. Vielen, vielen Dank für deine Zeit. Danke für deine ganze Erfahrung, die du eingebracht hast. Ich bleibe auf jeden Fall gespannt, was ihr da für Produkte anbietet. Und ganz viel Erfolg bei der ganzen Reform.

Harald Klein47:59

Vielen, vielen Dank! Hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Häufige Fragen aus der Folge

Harald Klein zufolge sagt ein niedriger Preis allein noch nicht, ob ein Angebot passt. Entscheidend sei, ob das Produkt zur persönlichen Situation und Lebensplanung passt.

Klein beschreibt Altersvorsorge als beratungsintensiv: Ein günstiges Produkt und staatliche Förderung reichten seiner Einschätzung nach allein nicht aus. Beratung helfe dabei, eine Lösung passend zur individuellen Situation auszuwählen.

Klein verweist auf die Flexibilität möglicher Versicherungslösungen und stellt weitere Optionen neben der lebenslangen Rente in Aussicht. Für die Auswahl sei entscheidend, welche Lösung zur persönlichen Situation passt; konkrete Produktdetails nannte er im Gespräch noch nicht.

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